Lerninhalte
Inhaltsverzeichnis

Aufgabe I „Formen und Verformen“

Aufgabe mit bildnerisch-praktischem Schwerpunkt

Aufgabenüberblick

Im schriftlich-theoretischen Teil wird ein Objekt untersucht, es werden begründete Schlussfolgerungen im Hinblick auf gestalterische Positionen gezogen und eine mögliche Kaufentscheidung reflektiert. Zum Abschluss wird eine weitere Arbeit bzw. Position und ihre Bezüge zum Objekt vorgestellt.

Im bildnerisch-praktischen Teil erfolgt auf der Basis bildnerischer Experimente im Spektrum zwischen Design und Kunst die Vorbereitung auf die Entwicklung von Objekten. Verschiedene Entwicklungsstadien werden festgehalten, ein Beispiel wird konkretisiert und das Ensemble anschließend in seinen Nutzungsmöglichkeiten präsentiert.

Geknautschtes silbernes Metallblatt und rechts ein Holzstiel mit Hammer auf weißem Hintergrund.

Abb. 1: Marijn van der Poll (geb. 1973): Do hit chair, hier die Version shaped; © Marijn van der Poll, Droog-Design

Zwei Männer in Weiß, einer schlägt mit Hammer auf eine Metallkiste, der andere kauert auf einer zweiten Kiste.

Abb. 2: Fotografische Illustration des Formungsprozesses von der Website des Unternehmens; © Marijn van der Poll, Droog-Design

Daten und Informationen zum Werk

Marijn van der Poll (geb. 1973): Do hit chair (für das Designbüro Droog Design), 2000; Größe des Quaders: 100 x 70 x 75 cm bestehend aus Edelstahlplatten (1,25 mm stark), Gewicht 131 kg, Vorschlaghammer in einer nummerierten Edition

Zwei Versionen des Do hit chair sind lieferbar:

Die Version 1 unshaped besteht aus einem unbearbeiteten Quader aus Edelstahlplatten, der bei Bestellung zusammen mit einem großen Hammer geliefert wird. Die neue Besitzerin / der neue Besitzer ist aufgefordert, das Objekt zu bearbeiten und so die gewünschte Form zu erzeugen. Preis: ca. 5.500 Euro (Stand 2023)

Die Version 2 shaped wurde bereits vom Designer Marijn van der Poll mit Hammerschlägen vorgeformt. Preis: ca. 8.800 Euro (Stand 2023)

Glänzender Metallwürfel mit einem Holzstielhammer, der dagegen lehnt.

Abb. 3: Marijn van der Poll (geb. 1973): Do hit chair, hier die Version unshaped; © Marijn van der Poll, Droog-Design

Schriftlich-theoretischer Teil

1.

Annäherung und Beschreibung

Schildere zunächst erste, auch widersprüchliche Eindrücke! Beschreibe dann vergleichend das Objekt in den Zuständen unshaped und shaped! Gehe dabei auf die Veränderungen durch den gestalterischen Eingriff ein!

5 BE

2.

Interpretationsansatz und Wertung

Entwickle einen Interpretationsansatz von Marijn van der Polls Arbeit! Reflektiere dabei die Beobachtungen, indem die Zitate von Max Bill und Renny Ramakers, der Gründerin von Droog Design, herangezogen werden. Diskutiere den Designansatz, der am Do hit chair ablesbar wird, in diesem Spannungsfeld!

Diskutiere mögliche Gründe für Käuferinnen und Käufer, den Do hit chair zu erwerben und zu besitzen, sowie mögliche Gegenargumente von Kritikerinnen und Kritikern!

Zitat 1:

„Unter einer guten Form verstehen wir eine natürliche, aus ihren funktionellen und technischen Voraussetzungen entwickelte Form eines Produktes, das seinem Zweck ganz entspricht und das gleichzeitig schön ist.“

Max Bill, Architekt und Designer (1949)

In: Müller, Lars (Hrsg.) (2015): Max Bill – Sicht der Dinge – Die gute Form: Eine Ausstellung 1949. Reprint. Zürich, S. 39

Zitat 2:

”Basically, we don’t like design without content. A lot of design is just styling and image. All of our products must have a story. Good design has a story to tell.“ –

„Grundsätzlich mögen wir kein Design ohne Inhalt. Design ist oft Styling und Image. Alle unsere Produkte müssen eine Geschichte haben. Gutes Design hat eine Geschichte zu erzählen.“

Renny Ramakers, Gründerin von Droog Design (das Designbüro, für das der Do hit chair entstand) in einem Interview mit dem „Interview Magazine“ (2009)

In: Interviewmagazine (aufgerufen am 19. März 2023)

9 BE

3.

Kontext

Beim Do hit chair lässt sich eine Nähe zur Bildenden Kunst erkennen.

Stelle eine künstlerische oder architektonische Position bzw. eine Arbeit vor, die in Strategie oder Haltung Berührungspunkte zur Arbeit von Marijn van der Poll aufweist! Zeige auf, worin jeweils die Bezugspunkte und die Unterschiede liegen!

6 BE
20 BE

Bildnerisch-praktischer Teil: „Aufmöbeln“

Kontext

Der Münchener Apotheker Franz Kolb erfand 1890 das formbare Material „Plastilin“. Diese Modelliermasse diente zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in München zur Formfindung von Plastiken und Skulpturen, später auch zur Entwicklung von Designprodukten weltweit.

„Aufmöbeln“ – ein Wettbewerb wird ausgelobt. In Erinnerung an den Erfinder soll ein kleiner Park in einen Ort der Kommunikation und Begegnung verwandelt werden. Aus Kolbs Modelliermasse sollen Modelle entwickelt werden, die dann in vergrößerter Form aus Kunststoff in Auftrag gegeben und im Park aufgestellt werden.

Gewünscht werden skurrile und ungewöhnliche Objekte für den öffentlichen Raum, die in ihrer Formensprache die typischen Eigenschaften des Materials widerspiegeln. Dieses städtische Mobiliar soll vielfältig nutzbar sein, ansprechend und einladend wirken sowie spielerisch Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozesse anregen.

Es wird ein Wettbewerbsbeitrag zum Thema „Aufmöbeln“ entwickelt und damit eine Positionierung im weiten Feld von Design, Plastik und Objektkunst vorgenommen.

4.

Vorbereitende zeichnerische Skizzen

Dir steht Knetmasse zur Verfügung. Experimentiere mit verschiedenen Methoden der Verformung, insbesondere auch unter Einbeziehung des Zufalls. Erkunde die gestalterischen Möglichkeiten des Materials umfänglich und dokumentiere die Ergebnisse! Lege hierzu ein großformatiges Zeichenblatt an, auf dem du vergrößerte Studien und ggf. Erläuterungen wirkungsvoll arrangierst!

14 BE

5.

Entwicklung der Objekte

Entwickle nun auf der Basis deiner Untersuchungen skurrile und ungewöhnliche Objekte an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design sowie zwischen Nutzbarkeit und dem Spiel mit dem freien Spiel mit Formen! Führe diese zeichnerisch oder als dreidimensionales Modell in Knetmasse aus!

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6.

Kommunikative Nutzungsmöglichkeiten der Objekte

Visualisiere für deinen Wettbewerbsbeitrag zeichnerisch oder in Mischtechnik das Zusammenspiel deiner Objekte untereinander, mit den Nutzerinnen und Nutzern sowie ggf. mit der Situation im Park!

14 BE
40 BE
Summe 60 BE

Materialien und Hilfsmittel für die praktische Arbeit

  • Papiere verschiedener Größen und Stärken

  • Plastilin, Zahnstocher, Schaschlikstäbe

  • Werkzeuge zur Bearbeitung der Modelliermasse

  • verschiedene dünne Graukartons

  • kräftige Graukartons in der Größe bis ca. A3

  • Bleistifte verschiedener Härtegrade bzw. Graphitstifte, Bunt- und Filzstifte, Kugelschreiber

  • Zeichenkohle, Zeichenkreiden wie Wachs-, Öl- oder Pastellkreiden

  • Tusche und Zeichenfedern

  • Flüssigfarben wie Gouache- oder Acrylfarben, Wasser- oder Aquarellfarben

  • verschiedene Pinsel

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