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Sprachmittlung

Aufgabe zum Text

You have come across “The Youth Project”, a global movement of young people who fight to make the world a better place. They use their website to present people and projects that can make a difference. You decide to write a blog entry, presenting what Olga Witt does and the reasons for it.

Text

Ohne alles bitte!

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Im Laden riecht es nach Seife, Kaffee und frischem Brot – je nachdem, in welcher Ecke man
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gerade steht. Doch das, was es hier gibt, ist nicht das Besondere. Vielmehr das, was es nicht gibt:
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Verpackungen. Stattdessen lagern Haferflocken, Nudeln und Bohnen in großen Behältern in den
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Regalen. Toilettenpapier, Seife und andere Kosmetikprodukte liegen lose zum Mitnehmen bereit.
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[…]
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Die Kunden füllen sich aus den großen Behältern die gewünschte Menge in wiederverwertbare
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Gefäße und Tragetaschen ab – also in Dosen, Gläser oder Stoffbeutel. Wer keine eigenen
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dabeihat, kann sich vor Ort welche ausleihen. An der Kasse wird dann alles gewogen, wobei das
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Eigengewicht der Behälter abgezogen wird. Ein kleiner Plausch beim Bezahlen? Ausdrücklich
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erwünscht – man setzt hier auf eine persönliche Atmosphäre.
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Der Unverpacktladen im Kölner Stadtteil Nippes heißt „Tante Olga“, gegründet wurde er von Olga
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Witt – einer zierlichen dunkelblonden Frau mit freundlichem Lächeln. Sie möchte ihren Kunden
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eine Alternative zum klassischen Supermarkt bieten: „Mittlerweile ist dort jede einzelne Gurke noch
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mal extra in Plastik eingeschweißt. Dadurch produzieren wir unfassbar viel Müll beim Einkaufen.“
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Tatsächlich steigt der Verpackungsabfall stetig an. […]
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2013 las Olga Witt zufällig von Bea Johnson in den USA, die mit ihrer Familie nach dem
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sogenannten Zero-Waste-Prinzip lebt. Sie versuchen also, möglichst wenig Rohstoffe zu
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verschwenden. Nach eigenen Angaben produziert Johnsons Familie nur einen kleinen Behälter
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Müll pro Jahr. Olga beeindruckte das so sehr, dass sie kurzerhand beschloss, ihr Leben komplett
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umzukrempeln: „Es war wie eine Offenbarung, zu merken: Hey, es geht auch anders“, erinnert sie
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sich heute.
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Mittlerweile ist Olga selbst ein Vorbild. Sie hat zwei Bücher geschrieben, einen Onlineshop, zwei
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Tante-Olga-Unverpacktläden eröffnet und berät Unternehmen und Privatpersonen, die sich für
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Zero Waste interessieren. Ihr wichtigster Tipp: „Dort anfangen, wo es dir am leichtesten fällt“, zum
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Beispiel einen Stoffbeutel zum Bäcker mitnehmen oder Leitungswasser trinken, statt es in
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Plastikflaschen zu kaufen. Danach kann man sich Schritt für Schritt steigern.
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Zero Waste bedeute aber nicht, dass es null Müll gebe, sagt Olga. „Dieser Zustand ist in unserer
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Gesellschaft nicht möglich. Zero Waste ist eher ein Streben dahin, also so wenig Verschwendung
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wie möglich.“ Auch ein Unverpacktladen kommt nicht ganz ohne Verpackungen aus. Denn
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entscheidend ist die gesamte Wertschöpfungskette – das heißt nicht nur, wie ein Produkt verkauft
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wird, sondern auch, wie es produziert und transportiert wird. Ein großes Hindernis auf dem Weg zu
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weniger Müll ist die auf intensive Nutzung von Verpackungen ausgelegte Logistik in der
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Lebensmittelbranche. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsprojekt an der Hochschule für
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nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Noch seien die Unverpacktläden ein Nischenmarkt. Wenn
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die Nachfrage steige, könnte das aber die Hersteller motivieren, ihre Produktionsprozesse
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umzustellen. […]
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Ob sich das Konzept der Unverpacktläden langfristig und für die breite Masse durchsetzt, wird sich
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zeigen. Aktuell scheint es zumindest mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu geben. Der
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Berufsverband Unverpackt e. V. zählt in Deutschland bereits über 442 Unverpacktläden. Tendenz
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steigend. Auch einige Bioläden und vereinzelt konventionelle Supermärkte bieten einen Teil ihrer
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Ware inzwischen unverpackt an.
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Menschen wie Olga geht es aber vor allem um einen Bewusstseinswandel. Sie hat gemerkt, dass
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im Verzicht ein Zugewinn an Freiheit steckt. Kein ständiges Kaufenmüssen, keine Berge von Müll,
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um die man sich kümmern muss, kein schlechtes Gewissen, weil man die Umwelt zerstört. Bei
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Olga merkt man: Weniger kann viel mehr.

533 Wörter

Lisa Santos, „Ohne alles bitte!“, fluter. Das Heft – Nr. 80, 27.09.2021

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