Aufgabe I – „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ (Talmud)
Hinweis: Es werden vier Aufgaben zur Auswahl gestellt, von denen eine bearbeitet werden muss.
„Wie kann die Kultur des Erinnerns in angemessener Form weiter und neu gepflegt werden?“ (M 1, Z. 4f.)
Fasse die Grundaussagen des Textes M 1 mit eigenen Worten zusammen!
Erläutere an konkreten Beispielen, wie der Dekalog (vgl. Dtn 5,1-21) „zum Nachdenken darüber [aufruft], wie wir uns heute in der stets neu geforderten Verteidigung von Freiheit und Gerechtigkeit verhalten“ (M 1, Z. 12f.)!
„… widerständig und mutig zu sein, statt angepasst mitzuschwimmen und sich wegzuducken.“ (M 1, Z. 20f.)
Stelle die Grundzüge des biblisch-christlichen Menschenbildes dar und zeige dabei den besonderen Stellenwert von Mut und Widerständigkeit auf!
Prüfe anhand eines Handlungsfelds im Kontext nachhaltiger Entwicklung, inwiefern sich für Christinnen und Christen durch die Orientierung an Sozialprinzipien der katholischen Soziallehre „Widerstand und Loyalität (…) als sich wechselseitig ergänzende Gegenpole“ (M 1, Z. 26f.) ergeben!
„Der Widerstand wird erst dann zu einer Tugend, wenn er … aus der Tiefe einer Gewissensentscheidung kommt.“ (M 1, Z. 25f.)
Setze das Zitat in Beziehung zu Jesu Wirken in Wort und Tat und erkläre dabei den Zusammenhang zwischen dem Heilswillen Gottes und der persönlichen Gewissensentscheidung!
Erörtere an einem aktuellen Problemfeld der Wirtschafts- und Sozialpolitik, inwieweit sich aus der Reich-Gottes-Botschaft Jesu Impulse zur Überwindung der „Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln“ (M 1, Z. 43) ergeben!
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Der folgende Beitrag mit dem Titel „Erinnerung im Dienst einer Ethik des Widerstands“ von Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (geb. 1962), wurde im April 2020 auf der Homepage der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) veröffentlicht; die KSZ ist eine Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und versteht sich als kommunikative Schnittstelle zwischen kirchlichen und wissenschaftlichen Akteuren, die sich vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre und der Christlichen Sozialethik mit sozialen Fragestellungen auseinandersetzen.
Quelle (zuletzt eingesehen 08.01.2026)
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Diese Einstiegsaufgabe ist dem Anforderungsbereich I (hier: „Zusammenfassung von Texten“) zuzuordnen: Lege die Grundgedanken von M 1 mit eigenen Worten komprimiert und strukturiert dar.
Folgende Aussagen von M 1 können z. B. genannt werden:
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Der immer größere Verlust von Zeitzeugen des Holocaust erfordert die Reflexion über ethische Kriterien einer veränderten Erinnerungskultur.
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Erinnern im Sinne des Talmud zielt auf das präzise Verstehen von Anlässen und Ursachen schicksalsträchtiger Ereignisse. Es ist die Voraussetzung für die Reflexion über richtiges Verhalten bei Bedrohung von Freiheit und Gerechtigkeit.
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Erinnern erfüllt eine doppelte Funktion: Andenken und Befähigung zu einer Ethik des Widerstands.
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Neue gesellschaftliche und politische Kontexte erfordern neue Formen von Mut und Widerstand, Wachsamkeit und Zivilcourage zur Abwehr von Ideologie und Unmenschlichkeit.
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Grundlage des Widerstands als Tugend ist eine fundierte Gewissensentscheidung, in der Loyalität und Protest abgewogen werden müssen.
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Wichtigster Bezugswert ist die Würde des Menschen als Individuum, die als Basis der staatlichen Rechtsordnung immer wieder neu verteidigt werden muss. Eine zentrale aktuelle Herausforderung ist die Bewältigung des Klimawandels, die zum Widerstand gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch ein Verhalten ohne Rücksicht und Vorsicht aufruft.
Der Operator „Erläutern“ ist dem Anforderungsbereich II (hier: „Selbständiges Erklären“) zuzuordnen; verlangt wird, eine Aussage aus M 1 mit dem Dekalog zu verknüpfen und diese Verbindung anhand von Beispielen zu erklären. Erwartet wird, dass Aufbau und Absicht des Dekalogs auf das Zitat bezogen werden, sodass der Zusammenhang von Erinnerung und Erlösung deutlich wird.
Inhaltliche Aspekte, die genannt werden können, z. B.:
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Indikativ der doppelten Erfahrung des Heilshandelns Gottes (vgl. Dtn 5,2-6): Erinnerung des Volkes an die Ereignisse am Berg der Gottesbegegnung von Mose: Bundesschluss mit dem erwählten Volk als Hintergrund; Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei als Inhalt der unmittelbaren Gotteserfahrung (JHWH = der Seiende).
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Imperativ der Zehn Worte: Ermutigender Aufruf zu einem Leben in „Freiheit und Gerechtigkeit“: Gestaltung des Verhältnisses zu JHWH (Dtn 5,6-11) in Form vertrauenden Gehorsams in stetem Bewusstsein der Allmacht des beschützenden und erlösenden Gottes; Begründung des im Zentrum des Dekalogs stehenden Sabbatgebots (Dtn 5,12-15) mit der Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei; diese Erinnerung wird in Freiheit, Erholung und Muße zugunsten der Gottesbeziehung gepflegt; Schutz des Ideals der Gerechtigkeit z. B. in den Geboten der Elternehre, des Schutzes von Leben, Ehe, Eigentum und Besitz.
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Vergegenwärtigung der Botschaft des Dekalogs in Gotteserfahrungen, in denen sich die Menschenfreundlichkeit Gottes zeigt und dazu aufruft, sich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.
Diese Aufgabe zielt mit dem Operator „Darstellen“ auf die Wiedergabe von Sachverhalten (Anforderungsbereich I). Lege zentrale Aspekte des biblisch-christlichen Menschenbildes mit eigenen Worten dar und begründe die herausgehobene Bedeutung von Mut und Bereitschaft zum Widerstand.
Inhaltliche Aspekte, die genannt werden können, z. B.:
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Transzendentalität: Geschöpflichkeit, Gottebenbildlichkeit, Endlichkeit; Erlösungsbedürftigkeit
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Personalität: Individualität, Geschlechtlichkeit, Sozialität, Reflexivität, Freiheit, Verantwortung
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Sozialität: Sehnsucht nach, Offenheit für und Angewiesenheit auf Beziehungen zu den Mitgeschöpfen
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Mut und Bereitschaft zum Widerstand: Der Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes und als Wesen der Freiheit und Verantwortung, ausgestattet mit Vernunft, Gefühl und Wille, trägt die Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren, Schaden von ihr abzuwenden und sich für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Dazu gehört die Bereitschaft, auch Fehlentwicklungen wahrzunehmen, zu benennen und sich mutig gegen Widerstand und Nachteile für das Gute einzusetzen.
Der Auftrag „Prüfen“ aus dem Anforderungsbereich III (hier: „eigenständiges Werten, Begründen und Urteilen“) verlangt ein Verständnis des Zitats aus M 1 und eine kritische Befragung des Zusammenhangs zu Sozialprinzipien. Untersuche kritisch, inwiefern Sozialprinzipien (Personalität, Solidarität, Subsidiarität; Gemeinwohl; Nachhaltigkeit) geeignet sind, in einem bestimmten Handlungsfeld nachhaltiger Entwicklung (z. B. Armutsbekämpfung; Klimaschutz; Umweltschutz; Tierschutz) überzeugende Positionen im Spannungsfeld von Widerstand und Loyalität zu entwickeln.
Folgende Aspekte können hierbei zur Sprache kommen:
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Personalität: Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde
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Solidarität: Einsatz für Menschen und Tiere in Not; Berücksichtigung der globalen Perspektive
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Subsidiarität: Hilfe zur Selbsthilfe; Ermöglichung maximaler Eigenverantwortung
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Gemeinwohl: Streben nach innerem und äußerem Frieden in der (globalen) Gesellschaft und Schöpfungsordnung
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Nachhaltigkeit: Vermeidung irreparabler Schäden; Sicherung beständiger Ordnung und Zukunft im ökonomischen, ökologischen und sozialen Kontext
In der Darstellung kommt es darauf an, den legitimen bzw. sinnvollen Anspruch auf Erfüllung und Anpassung und die Bereitschaft bzw. Fähigkeit zum mutigen Widerstand darzustellen. Aus den Sozialprinzipien kann dabei jeweils Motivation, aber auch Infragestellung erwachsen. Es kann z. B. eine Verabsolutierung der Personalität in Egoismus und Individualismus abgleiten, sodass es die ausbalancierende Orientierung am Gemeinwohl braucht, oder eine Fixierung auf ökologische Nachhaltigkeit die Solidarität gefährden kann, wenn Arbeitsplätze vernichtet werden oder die Lebenshaltungskosten unbezahlbar sind.
Die zweiteilige Aufgabenstellung entstammt dem Anforderungsbereich II, hier: „selbständiges Erklären und Ordnen bekannter Inhalte“. Beziehe zunächst das Zitat auf einschlägige, repräsentative Elemente aus Jesu Wirken in Wort und Tat, z. B. Auseinandersetzung mit Pharisäern und Schriftgelehrten über den Sinn der Gebote oder mit den jüdisch-römischen Machthabern in der Leidensgeschichte, Wundererzählungen oder Mahlgemeinschaft mit Ausgestoßenen; gehe auf mindestens je ein biblisches Beispiel für „Wort“ und „Tat“ genauer ein; im zweiten Teil der Aufgabe veranschauliche dabei nachvollziehbar die Verbindung zwischen dem Heilswillen Gottes und der persönlichen Gewissensentscheidung.
Der folgende Gedankengang ist hierbei inhaltlich wiederzugeben:
Jesus bezieht seine Motivation zum Widerstand aus seiner Sendung als Sohn Gottes, der sich strikt am eigenen Gewissen orientiert und deshalb gekreuzigt wird. Der Heilswille Gottes besteht also nicht darin, seinen Sohn zu opfern; der Kreuzestod Jesu ergibt sich als Konsequenz seiner Lebensweise, die sich kompromisslos am Gebot der Liebe orientiert und Unmenschlichkeit in jeder Form offenlegt, anprangert und im persönlichen Handeln überwindet. Jesus als Sohn Gottes ist dies in Perfektion gelungen, wodurch sich innerhalb des trinitarischen Gottesbildes erweist, dass er der Menschensohn ist. Ein Leben in der Nachfolge Jesu bedeutet deshalb, sich im Vertrauen auf Gott an der persönlichen Gewissensentscheidung zu orientieren.
Andere überzeugende Argumentationen sind ebenso gleichwertig zu bewerten.
Der Operator „Erörtern“ aus dem Anforderungsbereich III (hier: „selbständige Reflexion; Begründungen; Urteilen; Handlungsoptionen“) verlangt, die Vielschichtigkeit des Problems zu erkennen, Thesen und Argumente zu formulieren, Zusammenhänge herzustellen und zu einer begründeten Schlussfolgerung zu gelangen. Die zur Bearbeitung der Aufgabe erforderliche Erläuterung der Reich-Gottes-Botschaft ist dem Anforderungsbereich II zuzuordnen. Entfalte als Grundlage der dialektischen Betrachtung eines wirtschafts- oder sozialpolitischen Problemfeldes die Reich-Gottes-Botschaft, die dazu motiviert, wertorientierte Überzeugungen in ethisches Handeln zu überführen.
Inhaltliche Aspekte, die genannt werden können, z. B.:
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Beispiele für aktuelle Problemfelder der Wirtschafts- und Sozialpolitik: Armut, demographischer Wandel, Digitalisierung, Klimaschutz, Mobilität, Tierschutz, Umweltschutz.
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Reich-Gottes-Botschaft Jesu: bedingungslose Zuwendung Gottes zu den Menschen; Zuspruch (Indikativ) als Anspruch (Imperativ); göttliches Heilsangebot und Freiheit des Menschen zur Annahme; Anbruch, aber offene Vollendung; eschatologischer Vorbehalt.
Aus der Reich-Gottes-Botschaft erwachsen Engagement, Kraft, Mut und Zuversicht zur Überwindung der Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln im gewählten Problemfeld, wobei folgende Aspekte zur Sprache kommen können:
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Gottvertrauen als Basis für selbstloses Engagement in Verantwortung für die ganze Schöpfung.
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Liebe als Richtschnur christlicher Lebenshaltung und -praxis: Verbindung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
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Sozialkritik (z. B. bei den Propheten): Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit als Ausdruck der Gottes- und Nächstenliebe.
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Mut zum Einsatz für eine Welt in Frieden, für Menschenrechte, achtsamen Umgang mit der Schöpfung und Sicherung der irdischen Zukunft.
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Kraft und Zuversicht aus der Gewissheit des begleitenden Gottes und in der Hoffnung auf das ewige Heil und die Erlösung auch jenseits des Todes.