A4 Lecksuche mit radioaktivem Thorium
In einem Betrieb fällt als Abfallstoff das radioaktive Thorium-Isotop an.
ist ein
-Strahler mit einer Halbwertszeit von 18,7 Tagen.
Stelle die zugehörige Zerfallsgleichung auf und berechne die bei dieser Reaktion freiwerdende Energie.
Beschreibe und deute ein gemeinsames charakteristisches Merkmal der beiden Spektren 1 und 2 in Material 1 und erläutere die Zusammenhänge zwischen den beiden Spektren 1 und 2 und dem Energiestufenmodell 3. Veranschauliche den in Aufgabe 1 berechneten Energiewert an passender Stelle in 3.
Im Folgenden soll untersucht werden, ob das Thorium-Isotop zur Lecksuche innerhalb von Betonwänden geeignet ist.
Beim Durchgang von -Strahlung durch Materie verringert sich die messbare Zählrate
mit der Dicke
der durchlaufenen Schicht gemäß der Beziehung:
Interpretiere in Analogie zum Zerfallsgesetz die Bedeutungen der Größen und
Gib ebenfalls durch Analogiebetrachtung eine Möglichkeit an, die Schichtdicke
nach der die Zählrate um die Hälfte abgesunken ist, aus dem Wert
zu berechnen.
Das oben erwähnte Verfahren zur Lecksuche ist in Material 2a) beschrieben. Das Tochternuklid von gibt auch
-Strahlung ab. Für die
-Strahlung durch den Zerfall von
gilt beim Durchgang durch Beton
Begründe unter Verwendung dieser Information, dass bei der Lecksuche mit die
-Strahlung relevant ist, die
-Strahlung aber in der Regel nicht.
Bei Arbeiten zur Lecksuche werden mit dem Geiger-Müller-Zählrohr durchschnittlich pro Sekunde Gammaquanten gemessen, von denen jedes die Energie
besitzt.
Zeige durch eine Abschätzung, dass ein Mensch, der die Lecksuche durchführt (unfallfreies und sicheres Arbeiten vorausgesetzt), pro Jahr deutlich weniger als die für beruflich strahlenexponierten Personen erlaubte Äquivalentdosis von aufnimmt. Vernachlässige dabei die
-Strahlung. Gib deine getroffenen Annahmen an.
In einem Versuch wurde die Aktivität einer -Probe über einen längeren Zeitraum hinweg gemessen. Material 3 stellt die Messwerte dar, die auf den Zerfall von
zurückzuführen sind.
Nenne einen Grund dafür, dass bei diesem Versuch auch größere Abweichungen zwischen einem Messpunkt und der Ausgleichskurve nicht unbedingt auf Fehler im Versuchsaufbau oder auf Ablesefehler zurückgeführt werden müssen.
Beschreibe stichpunktartig eine Methode, mit der man mithilfe von Material 3 die Halbwertszeit von bestimmen kann.
Ist die durch eine Menge von hervorgerufene Aktivität auf
der Anfangsaktivität gesunken, kann diese nicht mehr zur Lecksuche verwendet werden und muss fachgerecht entsorgt werden.
Berechne die Zeitdauer, die das höchstens verwendet werden kann.
Bewerte den Einsatz von zur Lecksuche. Verwende dazu Material 2b) sowie mindestens ein Ergebnis der vorangegangenen Aufgaben.
Material 1 Energiespektren
Abb. 1 zeigt schematische Energiespektren von - und
-Strahlung beim Zerfall von
sowie ein zugehöriges Energiestufenmodell mit dem Grundzustand des Mutter- und des Tochternuklids.

Abb. 1
Material 2: Lecksuche mit radioaktiven Stoffen
Beschreibung des Verfahrens
In Flüssigkeit gelöst, können radioaktive Stoffe zur Detektion von kleinen Lecks in im Mauerwerk verbauten Leitungen verwendet werden. Ein Öffnen der Wand ist dann nicht mehr zum Suchen des Lecks, sondern nur noch zur Reparatur der Leitung notwendig.
Dazu wird die mit dem radioaktiven Stoff vermischte Flüssigkeit in das Rohr gefüllt. Im Fall eines Lecks sammelt sich rund um die Austrittsstelle die Flüssigkeit im Mauerwerk an.
Nach einiger Zeit werden die Rohre mit Frischwasser durchspült und die umgebende Wand wird mit einem Geiger-Müller-Zählrohr (GMZ) auf Ansammlungen des radioaktiven Stoffs im Mauerwerk untersucht (siehe Abb. 2). Diese Methode eignet sich v. a. für Rohre, die vollständig von Material wie Beton umgeben sind und deren umgebendes Mauerwerk frei von Hohlräumen ist.

Abb.2: Vereinfachte Darstellung
In Anlehnung an: Erwall, L. G., Forsberg, H. G., Ljunggren, K.: Radioaktive Isotope in der Technik, Leipzig 2013
Hinweise zum Verfahren
Dieses Verfahren darf nur von Personen mit einer speziellen Ausbildung durchgeführt werden.
„Von großer Belastung der Umwelt kann hier nicht die Rede sein“, so ein Mitarbeiter einer Firma für Lecksuche. „Die Lösung verbleibt nur so lange im Rohr, bis wenige Liter durch das Leck ausgetreten sind. Dies kann schon mal mehrere Tage dauern. Durch das Durchspülen mit Frischwasser wird der größte Teil der radioaktiven Flüssigkeit entfernt und es bleibt nur noch die geringe ausgetretene Menge in der Wand.“
Beschränkt wird der Einsatz dieser Methode durch die deutsche Strahlenschutzverordnung:
|
„Nicht gerechtfertigte Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung […] Nicht gerechtfertigt ist die […] Verwendung von offenen radioaktiven Stoffen zur Leckagesuche1(Wasser, Heizung, Lüftung), sofern diese Stoffe anschließend nicht wieder gesammelt werden, […].“ |
1Leckage: Ein Leck bzw. Loch in einer Leitung
Quelle: Verordnung zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strahlenschutzverordnung – StrlSchV), Anlage 1 (zu § 2) Teil A.
Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/strlschv_2018/StrlSchV.pdf
Material 3: Zerfall von 

Abb. 3 zeigt die Aktivität durch den -Zerfall von
zur Zeit
im Vergleich zur Aktivität zum Zeitpunkt
und eine passende Ausgleichskurve zu den Messwerten.
Abb. 3
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Die Zerfallsgleichung lautet:
Energiebilanz:
Als gemeinsames charakteristisches Merkmal der beiden Energiespektren 1 und 2 fällt die Schärfe der Maxima auf; es sind also diskrete Spektren.
Grafik 3 zeigt die beiden möglichen Zerfallswege zum entweder direkt (rechter Peak in 1) oder über die Zwischenstufe eines instabilen angeregten
-Kerns (linker Peak in 1), der dann durch Gammaemission weiter in den Grundzustand übergeht (Peak in 2).
Die Energiedifferenz (Abstand der Peaks) in 1ist gerade die Energie der Gammastrahlung in 2. Im Energiestufenschema 3 ist der -Wert gerade der Höhenunterschied beim Direktzerfall.

Im Zerfallsgesetz wird die Abnahme der Zahl
der radioaktiven Kerne in der Zeit
beschrieben;
ist die Zahl der nach der Zeit
noch vorhandenen Kerne,
gibt den Anfangsbestand der Kerne an. Die Zerfallskonstante
ist ein Maß für die Zerfallsgeschwindigkeit (je größer
, desto schneller wird die Probe weniger!).
Alternativ lässt sich die Zerfallsgeschwindigkeit mithilfe der Halbwertszeit
beschreiben: Sie gibt an, nach welcher Zeit noch die Hälfte der Kerne vorhanden ist.
Analog wird beim angegebenen „Abschirmungsgesetz" die Abnahme der Zählrate z beschrieben, die beim Durchstrahlen einer Materialschicht der Dicke
auftritt;
ist die hinter der Schicht noch übrige Zählrate,
gibt die ursprüngliche Zählrate vor der Schicht an. Der Schwächungskoeffizient
beschreibt die „Abschirmqualität“ des Materials. Diese Materialeigenschaft lässt sich alternativ durch die Halbwertsdicke
ausdrücken: Sie gibt an, nach welcher Schichtdicke die Zählrate auf die Hälfte abgenommen hat.
Die beim Thoriumzerfall entstehende Alphastrahlung lässt sich bereits durch ein Blatt Papier abschirmen, kann also die Betonwand nicht durchdringen. Für die außerdem auftretende Gammastrahlung jedoch gilt das Abschirmungsgesetz aus Teilaufgabe 3a . Da die Halbwertsdicke beträgt, kann die Strahlung die Betonwand verlassen und gemessen werden. Daher eignet sich die Gammastrahlung für die Lecksuche.
Für die Äquivalentdosis gilt
Darin bezeichnen den biologischen Bewertungsfaktor für Gammastrahlung,
die Masse des Lecksuchers und
die Energie, die auf diesen innerhalb eines Jahres einwirkt. Es ergibt sich
wenn vorausgesetzt wird, dass
-
die Person 220 Tage im Jahr je 7 Stunden arbeitet,
-
die Person
schwer ist
-
ausnahmslos alle Gammaquanten detektiert werden und
-
alle Gammaquanten ihre Energie vollständig an den menschlichen Körper abgeben.
Die Äquivalentdosis liegt deutlich unter der zulässigen jährlichen Höchstdosis.
Da es sich bei radioaktivem Zerfall um einen Zufallsprozess handelt, bei dem in jeder Sekunde zwar die Zerfallswahrscheinlichkeit gleich ist, nicht aber die tatsächliche Zahl der Zerfälle, sind stochastische Schwankungen normal.
Zur Ermittlung der Halbwertszeit empfiehlt sich hier die Punktprüfung: Es wird ein geeigneter Punkt auf der Ausgleichskurve gewählt, seine Koordinaten in die Zerfallsgleichung eingesetzt und damit
bestimmt:
Daraus lässt sich über die Halbwertszeit berechnen.
Nach Ablauf der der maximalen Nutzungsdauer gilt
Eingesetzt in die Zerfallsgleichung folgt:
Mit ergibt sich:
Die Methode ist hinsichtlich der Belastung durch Gammastrahlung gesundheitlich unbedenklich, das haben die Ergebnisse der Teilaufgabe 4 gezeigt. Zu bedenken ist aber, dass bei der Vor- und Nachbereitung der Lecksuche (Bereitstellung und Entsorgung der radioaktiven Flüssigkeit) die Gefahr der Strahlenbelastung durch Alphastrahlung besteht; so kann etwa durch Inkorporation der Flüssigkeit aufgrund von Missgeschicken im Umgang damit die Alphastrahlung den Körper schädigen. Dazu kommt, dass – nicht zuletzt aufgrund der notwendigen Schutzmaßnahmen für den gesamten Arbeitsprozess – das Verfahren sehr kostenintensiv ist.
Aufgrund der hohen Kosten und der generellen Vorgabe, dass grundsätzlich der Schutz des Lebens vor gesundheitlicher Beeinträchtigung priorisiert werden sollte, ist es sinnvoll, eine Alternative zu suchen, die die genannten Nachteile vermeidet. Fehlt eine solche, müssen alle Sicherheitsvorschriften streng beachtet werden, nicht nur während der bei Störungsfreiheit unbedenklichen Messung an sich, sondern auch im gesamten Be- und Entsorgungsumfeld.