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A5 Induktionsschleifen im Straßenverkehr

In Fahrbahnen ist gelegentlich an Schnitten im Straßenbelag zu erkennen, dass im Untergrund eine mehr oder weniger rechteckige Leiterschleife verlegt ist (vgl. Material 3 Abb. 3). Solche „Induktionsschleifen“ werden verwendet, um beispielsweise Grünlicht an Ampeln auszulösen. Die physikalische Grundlage der im Folgenden betrachteten technischen Umsetzung ist der elektromagnetische Schwingkreis.

1

In Material 1 ist dargestellt, dass der elektromagnetische Schwingkreis analog zum horizontalen Federpendel betrachtet werden kann.

a

Veranschauliche in Material 1 Abb. 1 für alle vier Zeitpunkte die elektrischen und magnetischen Felder im Bereich von Kondensator und Spule durch Feldlinien.

5 BE

b

Begründe, dass in dieser Analogie die Auslenkung des Federpendels aus der Ruhelage der Ladung des Kondensators entspricht.

2 BE

2

Ermittle die Frequenz der in Material 2 dargestellten Schwingung möglichst genau und berechne den Wert der Stromstärke zum Zeitpunkt Formula: t = 30\;μ\text{s}.Formula: t = 30\;μ\text{s}.

Bestätige mithilfe der Thomson’schen Schwingungsgleichung, dass die Induktivität der verwendeten Induktionsschleife etwa Formula: 0,34\;\text{mH}Formula: 0,34\;\text{mH} beträgt.

6 BE

3

Wenn sich ein Gegenstand oberhalb der zum elektromagnetischen Schwingkreis gehörenden Induktionsschleife befindet, kann das zu einer Beeinflussung des dortigen Magnetfelds sowie einer Änderung der Induktivität im Vergleich zum Schwingkreis ohne Gegenstand führen. Der Schwingkreis wird „verstimmt“ (siehe Material 3).

a

In Fahrzeugen ist in der Regel Eisen verbaut, welches sowohl ferromagnetisch als auch elektrisch leitfähig ist. Beschreibe für diese beiden Materialeigenschaften jeweils die Auswirkung auf die magnetische Flussdichte oberhalb der Induktionsschleife, wenn sich dort nun ein eisenhaltiges Fahrzeug befindet.

4 BE

b

Stelle eine Hypothese auf, die die unterschiedliche Verstimmung durch Pkw bzw. Lkw (siehe Material 3 Tab. 1) erklärt.

Beschreibe einen Versuch, mit dem du diese Hypothese testen kannst – die momentane Schwingkreisfrequenz kannst du dabei direkt an einem Messgerät ablesen.

3 BE

4

In der Praxis gelingt die Erkennung von Fahrrädern mit Induktionsschleifen nicht immer.

a

Zeige rechnerisch, dass eine relative Veränderung der Schwingungsfrequenz von Formula: 0,01\,\%,Formula: 0,01\,\%, die nach Herstellerangaben für ein Signal ausreicht, durch ein Fahrrad nicht in jedem Fall erreicht wird. Verwende Material 3 und die Thomson’sche Schwingungsgleichung.

3 BE

b

Eine fahrradfahrende Mitschülerin fragt: „Wohin soll ich mich an der Ampel mit Induktionsschleife stellen, damit sie mich auf dem Fahrrad möglichst zuverlässig erkennt und Grün gibt?“

Erkläre ihr, warum die rechte Position in Material 4 Abb. 4 hierfür günstiger ist als die linke. Skizziere zur Unterstützung deiner Argumentation in Material 4 Abb. 4 einige magnetische Feldlinien des Feldes der Induktionsschleife.

4 BE

c

Ein Hersteller von Induktionsschleifen kritisiert die Idee, zugunsten der Erkennung von Fahrrädern die Empfindlichkeit der Auswerteelektronik maximal zu erhöhen (siehe Material 5).

Diskutiere, ob bei einer Verkehrsampel durch Maximierung der Empfindlichkeit das Risiko von häufigeren Störungen akzeptiert werden sollte, und gib eine Handlungsempfehlung für den Betreiber der Ampelanlage.

3 BE
30 BE

Material 1: Mechanische Analogie zum elektromagnetischen Schwingkreis

Die ungedämpfte harmonische Schwingung eines horizontalen Federpendels mit zwei gleichartigen Federn, das sich auf einer horizontalen Unterlage bewegt und bei dem daher die Gravitation keine Rolle spielt, ist eine mechanische Analogie zur ungedämpften Schwingung eines elektromagnetischen Schwingkreises. Die Momentangeschwindigkeit des Pendelkörpers ist die analoge Größe zur momentanen Stromstärke im Schwingkreis.

In Abb. 1 sind vier aufeinanderfolgende Phasen einer ungedämpften harmonischen Schwingung eines Federpendels im zeitlichen Verlauf dargestellt. Das System aus Federn und Pendelkörper ist rechts und links befestigt. Zum Zeitpunkt Formula: t_1Formula: t_1 ist die Auslenkung des Pendelkörpers maximal und die obere Platte des Kondensators maximal negativ geladen.

Skizze eines schwingenden Massen-Feder-Systems in vier Zeitpunkten (t1–t4) mit Zeitachse, Kennzeichnung v=0 und v=v_maxSkizze eines schwingenden Massen-Feder-Systems in vier Zeitpunkten (t1–t4) mit Zeitachse, Kennzeichnung v=0 und v=v_max

Abb. 1: Analogiebetrachtung von Federpendel und Schwingkreis für vier ausgewählte Zeitpunkte

Material 2: Schwingkreis im Untergrund

Eine Induktionsschleife aus mehreren Drahtwindungen ist unter der Fahrbahnoberfläche verlegt. Sie bildet zusammen mit einem Kondensator der Kapazität Formula: C = 50\;\text{nF}Formula: C = 50\;\text{nF} einen elektromagnetischen Schwingkreis.

Abb. 2 zeigt die Zeitabhängigkeit der Stromstärke einer idealisierten, ungedämpften elektromagnetischen Schwingung in diesem Schwingkreis.

Abhängigkeit der Stromstärke in einer idealisierten, ungedämpften elektromagnetischen SchwingungAbhängigkeit der Stromstärke in einer idealisierten, ungedämpften elektromagnetischen Schwingung

Abb. 2

Material 3: Verstimmung der Induktionsschleifen

Ein in der Induktionsschleife fließender Wechselstrom erzeugt ein sich periodisch änderndes Magnetfeld. Wenn sich ein Fahrzeug oberhalb der Induktionsschleife (vgl. Abb. 3) befindet, so wird die Induktivität Formula: LFormula: L des Schwingkreises gegenüber dem Zustand ohne Fahrzeug um Formula: \Delta LFormula: \Delta L verändert. Die relative Änderung Formula: \tfrac{\Delta L}{L}Formula: \tfrac{\Delta L}{L} wird auch „Verstimmung“ genannt. Tab. 1 zeigt typische Verstimmungen für verschiedene Fahrzeugtypen.

Eine Veränderung der Kapazität des Kondensators im Schwingkreis ist vernachlässigbar.

Ampel an Straße mit eingezeichneter Induktionsschleife im FahrbahnbelagAmpel an Straße mit eingezeichneter Induktionsschleife im Fahrbahnbelag

Abb. 3

Fahrzeugtyp

typische Verstimmung

PkW

0,06

LkW

0,015

Motorrad

0,01

Fahrrad

0,00018 ... 0,00022

Material 4: Wohin mit dem Fahrrad?

Die Schwierigkeit der Detektion eines Fahrrades liegt auch darin, dass das Magnetfeld oberhalb der Induktionsschleife nicht homogen ist und ein Fahrrad nur einen geringen Teil dieses Bereichs beeinflusst. Um eine gute Erkennung von Fahrrädern zu erreichen, sollten möglichst große Anteile des Fahrrades vom Magnetfeld des Schwingkreises durchsetzt werden, wobei die magnetische Flussdichte im Bereich des Fahrrades möglichst hoch sein sollte.

Abb. 4 zeigt zwei mögliche Positionen, die ein Fahrrad über der Induktionsschleife einnehmen kann.

Schematische Darstellung einer Induktionsschleife mit Masten und FragezeichenSchematische Darstellung einer Induktionsschleife mit Masten und Fragezeichen

Abb. 4

Material 5: Die richtige Empfindlichkeit

Ein Hersteller von Induktionsschleifen schreibt auf seiner Homepage:

„[Statt andere Maßnahmen zu ergreifen, wird] oft versucht, durch übermäßige Erhöhung der Empfindlichkeitsstufe am Auswertgerät eine funktionierende Fahrraderfassung zu gewährleisten. Berücksichtigt man allerdings, dass auf der höchsten Empfindlichkeitsstufe eines Schleifendetektors eine Frequenzänderung von etwa 0,01 Prozent ausreicht, um ein Signal auszulösen, kann man sich vorstellen, dass diese Einstellung im Praxisbetrieb zu ständigen Störungen führt. Das Auswertgerät reagiert dabei auf kleinste Änderungen der Umgebung und neigt dazu, sich „aufzuhängen“. [Dadurch können keine Fahrzeuge mehr erfasst werden.]

Quelle: Stadlmayr Verkehrssysteme (Hrsg.): Induktionsschleifen für automatische Schranken

Verfügbar unter: https://www.stadlmayr.at/fahrradschleifen.html (Zugriff am 7.5.2023)

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