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Aufgabenstellung
Eine überregionale Wochenzeitung hat im Rahmen eines Schreibwettbewerbs dazu aufgerufen, sich zu der Frage zu positionieren, ob literarische Texte durch sogenannte „Sensitivity
Reader“ auf möglicherweise diskriminierende Inhalte und Sprachverwendung untersucht und infolgedessen ggf. überarbeitet werden sollen. Der Siegerbeitrag soll im Kulturteil der
Zeitung veröffentlicht werden.
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Verfasse für den Schreibwettbewerb einen argumentierenden Beitrag, in dem du zu dieser strittigen Frage Stellung nimmst.
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Nutze dazu die vorliegenden Materialien 1 bis 5 und beziehe dein im Unterricht erworbenes Wissen, unter anderem über Sprache
in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen, sowie eigene Erfahrungen ein.
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Formuliere eine geeignete Überschrift.
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Verweise auf die Materialien erfolgen unter Angabe des Namens der Autorin bzw. des Autors und ggf. des Titels.
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Dein argumentierender Beitrag sollte ca. 1100 Wörter umfassen.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Sensitivity Reading: Absurde Zensur oder zwingender Eingriff? (2024)
Jennifer Heinzel
1 Aussprache: Gemeint ist hier Sprache.
2 Twitter: frühere Bezeichnung des sozialen Netzwerks X
3 stern: wöchentlich erscheinende Zeitschrift, die politische und gesellschaftliche Themen behandelt
4 Mediävistik: Wissenschaft von der Erforschung des Mittelalters
5 Lookismus: abgeleitet von engl. „look“ (Aussehen), Stereotypisierung bzw. Diskriminierung von Menschen allein auf
Grund des Aussehens
6 Cancel Culture: politisches Schlagwort, das systematische Bestrebungen zum partiellen sozialen Ausschluss von Perso-
nen oder Organisationen bezeichnet, denen beleidigende, diskriminierende, rassistische, antisemitische, verschwörungs-
ideologische, frauenfeindliche, homo- oder transphobe Aussagen bzw. Handlungen vorgeworfen werden
Jennifer Heinzel: Sensitivity Reading: Absurde Zensur oder zwingender Eingriff? 14.01.2024
https://www.stern.de/kultur/sensitivity-reading--wenn-texte-politisch-korrekter-werden-sollen-34356430.html (Zugriff: 20.07.2024)
Anmerkung zur Autorin: Jennifer Heinzel (* 1998) ist als redaktionelle Mitarbeiterin in der Online-Redaktion der Zeitschrift stern tätig.
Die Verwendung von Wortbinnenzeichen entspricht der Textquelle.
Material 2: Klischee lass nach (2020)
Lisa Santos
1 [zwei]: Im Originaltext stellen drei Sensitivity Reader ihre Arbeit vor. Wegen der vorgenommenen Textkürzungen wurde
das Wort „drei“ durch das Wort „zwei“ ersetzt.
Lisa Santos: Klischee lass nach. 02.09.2020
https://www.fluter.de/sensitivity-reader-deutschland (Zugriff: 21.07.2024)
Anmerkung zur Autorin: Lisa Santos ist Medienpädagogin und Journalistin und u. a. für die Zeitschrift FLUTER tätig.
Der Text wurde zu Prüfungszwecken redaktionell bearbeitet. Die Verwendung von Wortbinnenzei-
chen entspricht der Textquelle.
Material 3: Die Schriftstellerin: Angst ist gefährlich (2023)
Juli Zeh
Juli Zeh: Die Schriftstellerin: Angst ist gefährlich. 24.04.2023
https://www.zeit.de/2023/17/kunstfreiheit-kulturbetrieb-diversitaet-cancel-culture (Zugriff: 21.07.2024)
Anmerkung zur Autorin:
Juli Zeh (* 1974) ist Schriftstellerin und Juristin.
Material 4: sensitivity readers (2019)
Lectrr

Lectrr: sensitivity readers (Cartoon). 06.03.2019
https://lectrr.be/nl/item/2019_03_06_Sensitivity_readers-1 (Zugriff: 03.01.2025)
Anmerkung zum Autor: Lectrr (* 1979) ist belgischer Cartoonist.
Material 5: Alles so schön keimfrei hier (2023)
Ijoma Mangold
1 Viktorianismus: Der Begriff bezieht sich auf die Regentschaft der Königin Viktoria, die 1837 begann und 1901 endete.
Typisch für die Zeit ist ein geschlossenes, an Moralprinzipien des Groß- und Kleinbürgertums ausgerichtetes und stark
durch Religiosität geprägtes Gesellschaftsbild.
2 Frivolitäten: hier: Leichtfertigkeiten
3 transzendieren: überschreiten
Ijoma Mangold: Alles so schön keimfrei hier. 24.04.2023
https://www.zeit.de/2023/17/kunst-freiheit-moral-ideologie-identitaetspolitik
(Zugriff: 03.01.2025)
Anmerkung zum Autor:
Ijoma Mangold (* 1971) ist Literaturkritiker und Autor.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Literatur zwischen Verantwortung und Freiheit
Einführung
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Sollten literarische Texte von sogenannten Sensitivity Readern auf diskriminierende Inhalte überprüft und anschließend möglicherweise verändert werden? Kaum eine Frage berührt so direkt das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und künstlerischer Freiheit. Einerseits können Sprache und Literatur Vorurteile weitertragen, Menschen ausgrenzen und stereotype Vorstellungen festigen. Andererseits lebt Literatur gerade davon, Widersprüche auszuhalten, zu provozieren und auch Unangenehmes darzustellen.
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Deshalb sollte Sensitivity Reading meiner Ansicht nach als freiwillige Beratung bei neuen Texten genutzt werden können, jedoch nicht dazu führen, ältere literarische Werke nachträglich umzuschreiben oder Autorinnen und Autoren bestimmte Inhalte vorzuschreiben.
Sensitivity Reading kann blinde Flecken sichtbar machen
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Zunächst spricht einiges dafür, Autorinnen und Autoren zusätzliche Perspektiven anzubieten. Jennifer Heinzel beschreibt Sensitivity Reading als eine Form des Lektorats, bei der Texte unter anderem auf diskriminierende Inhalte, Vorurteile und Fehlinformationen untersucht werden. Gerade wenn Personen aus gesellschaftlichen Gruppen dargestellt werden, mit deren Lebensrealität die Schreibenden selbst wenig vertraut sind, kann eine solche Rückmeldung hilfreich sein (M1).
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Das bedeutet zunächst einmal keine Zensur. Eine Autorin, die beispielsweise über eine kulturelle oder religiöse Gruppe schreibt, der sie selbst nicht angehört, kann trotz gründlicher Recherche unbewusst stereotype Vorstellungen übernehmen. Ein Sensitivity Reader kann auf solche Stellen hinweisen und erklären, warum eine bestimmte Darstellung problematisch oder schlicht unrealistisch wirkt. Beratung erweitert dabei den Blick, ohne automatisch die Entscheidungsfreiheit des Autors einzuschränken.
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Lisa Santos zeigt dies besonders deutlich. Die Sensitivity Readerin Victoria Linnea erklärt, dass asiatisch gelesene Menschen in Literatur häufig als besonders angepasst, intelligent oder sexualisiert dargestellt würden. Solche wiederkehrenden Muster könnten Menschen auf wenige Eigenschaften reduzieren. Sensitivity Reading solle deshalb nicht einfach Wörter verbieten, sondern erklären, welche Wirkung solche Darstellungen entfalten können (M2). Gerade diese erklärende Funktion erscheint sinnvoll.
Literatur beeinflusst gesellschaftliche Vorstellungen
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Sprache bildet Wirklichkeit nicht nur ab, sondern kann unsere Wahrnehmung auch beeinflussen. Begriffe, wiederkehrende Bilder und stereotype Figuren prägen, was Menschen als „normal“ oder „anders“ wahrnehmen. Besonders deutlich wird dies bei Kinder- und Jugendliteratur. Lisa Pychlau-Ezli weist darauf hin, dass Kinder bestimmte Vorstellungen über gesellschaftliche Gruppen übernehmen können, wenn diese in Büchern dauerhaft fehlen oder ausschließlich negativ dargestellt werden (M1).
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Auch Tristan Lánstad zeigt am Beispiel dicker Menschen, wie Literatur gesellschaftliche Klischees übernehmen kann. Dicke Figuren erscheinen seiner Darstellung zufolge häufig als komische Nebenfigur, gemütliche Wirtin oder undiszipliniert und unattraktiv. Solche Vorstellungen entstehen nicht ausschließlich durch Literatur, können von ihr aber wiederholt und dadurch verstärkt werden (M2).
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Aus dem Unterricht über Sprache in politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen lässt sich ebenfalls ableiten, dass sprachliche Bezeichnungen nie völlig bedeutungslos sind. Sprache kann Gruppen aufwerten oder abwerten und gesellschaftliche Machtverhältnisse widerspiegeln. Deshalb ist es sinnvoll, sich beim Schreiben bewusst zu fragen, welche Wirkung bestimmte Formulierungen haben können. Sensibilität für Sprache bedeutet nicht automatisch, jedes provokante Wort zu vermeiden. Sie bedeutet zunächst, sich der möglichen Wirkung bewusst zu sein.
Beratung darf nicht zu Selbstzensur werden
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Trotzdem gibt es eine klare Grenze. Problematisch wird Sensitivity Reading dann, wenn Autorinnen und Autoren bereits während des Schreibens überlegen, welche Figur sie überhaupt noch darstellen dürfen und welche Aussage möglicherweise als anstößig gelten könnte.
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Genau davor warnt Juli Zeh. Ihrer Ansicht nach gefährdet es den literarischen Schaffensprozess, wenn Schreibende ständig darüber nachdenken, ob eine Figur eine andere Herkunft, sexuelle Orientierung oder politische Einstellung besitzen darf. Literatur müsse auch problematische Menschen, Gewalt, veraltete Ausdrucksweisen und zweifelhafte Ansichten darstellen können (M3).
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Dieser Einwand überzeugt. Eine diskriminierende Figur ist nicht automatisch ein diskriminierendes Buch. Ein rassistischer Charakter kann beispielsweise bewusst eingesetzt werden, um Rassismus sichtbar zu machen und zu kritisieren. Ebenso darf ein Roman moralisch fragwürdige Personen enthalten, ohne dass ihre Ansichten mit denen der Autorin oder des Autors gleichgesetzt werden dürfen. Würde Literatur nur noch gesellschaftlich vorbildliche Figuren zeigen, wäre sie schnell unrealistisch und vorhersehbar.
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Literatur sollte nicht die Aufgabe haben, eine moralisch perfekte Welt zu erschaffen. Sie darf Konflikte zeigen, provozieren, übertreiben und verstören. Gerade dadurch kann sie Leserinnen und Leser dazu bringen, über gesellschaftliche Probleme nachzudenken.
Besonders problematisch: die nachträgliche Veränderung älterer Werke
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Noch kritischer ist die Überarbeitung bereits veröffentlichter Literatur. Heinzel nennt das Beispiel der Kinderbücher Roald Dahls. Dort wurden unter anderem Begriffe wie „fett“ und „hässlich“ nachträglich gestrichen. Salman Rushdie bezeichnete solche Eingriffe als „absurde Zensur“, während der Übersetzer Andreas Steinhöfel sogar von einer Verfälschung von Kunst und Geschichte sprach (M1).
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Diese Kritik ist nachvollziehbar. Ältere Literatur ist immer auch ein Dokument ihrer Entstehungszeit. Sie zeigt, welche Vorstellungen, Wertmaßstäbe und sprachlichen Gewohnheiten damals verbreitet waren. Wenn problematische Formulierungen nachträglich vollständig entfernt werden, verschwindet damit auch ein Teil dieser historischen Wirklichkeit.
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Sinnvoller erscheint es deshalb, problematische ältere Werke durch Vorworte, Fußnoten oder Begleitmaterial einzuordnen. So kann beispielsweise erklärt werden, warum bestimmte Begriffe heute als diskriminierend gelten. Leserinnen und Leser können sich dann selbst mit dem Text auseinandersetzen. Aufklärung ist besser als nachträgliche Säuberung.
Die Gefahr einer moralischen „Minenräumung“
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Diese Sorge greift auch die Karikatur von Lectrr auf. Zu sehen ist ein Soldat mit einem Minensuchgerät auf einem aufgeschlagenen Buch. Ein Warnschild weist auf ein „Minenfeld“ hin (M4). Der Cartoon stellt Sensitivity Reader damit überspitzt als Personen dar, die Literatur nach gefährlichen Stellen absuchen.
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Die Darstellung kritisiert vor allem die Vorstellung, dass jedes möglicherweise verletzende Wort wie eine gefährliche Mine beseitigt werden müsse. Genau darin liegt tatsächlich eine Gefahr: Wenn Texte hauptsächlich danach beurteilt werden, ob sie irgendwo Anstoß erregen könnten, verliert Literatur einen Teil ihrer Offenheit. Unterschiedliche Leserinnen und Leser reagieren schließlich sehr verschieden auf Texte. Vollständig konfliktfreie Literatur kann es kaum geben.
Kunst braucht Freiheit
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Besonders grundsätzlich argumentiert Ijoma Mangold. Er erinnert daran, dass die moderne Kunst gerade den Anspruch entwickelt habe, sich nicht vollständig den Moralvorstellungen der Gesellschaft unterzuordnen. Künstler sollten Grenzen überschreiten, provozieren und bestehende Kategorien infrage stellen können (M5).
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Mangold kritisiert, dass heute teilweise stärker gefragt werde, wer etwas sagen dürfe, statt danach, was jemand zu sagen habe. Auch Sensitivity Reader betrachtet er deshalb skeptisch, weil ihre Autorität häufig damit begründet werde, dass sie selbst einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe angehörten (M5).
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Hier ist Differenzierung nötig. Eigene Erfahrungen können eine wertvolle Perspektive bieten, aber kein einzelner Mensch kann für eine gesamte Gruppe sprechen. Zwei Personen mit derselben Herkunft können ein Buch völlig unterschiedlich beurteilen. Sensitivity Reader sollten deshalb Berater und keine moralischen Schiedsrichter sein.
Ein sinnvoller Mittelweg
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Die Debatte muss deshalb nicht auf die Alternative „Sensitivity Reading oder völlige Freiheit“ hinauslaufen. Beides kann miteinander verbunden werden. Autorinnen und Autoren sollten freiwillig Sensitivity Reader hinzuziehen können, wenn sie sich bei bestimmten Themen eine zusätzliche Perspektive wünschen. Die Hinweise sollten jedoch Empfehlungen bleiben. Die endgültige Entscheidung muss bei den Schreibenden liegen.
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Bei neuen Kinderbüchern kann eine solche Beratung besonders sinnvoll sein, weil junge Leserinnen und Leser stereotype Darstellungen möglicherweise noch weniger kritisch einordnen können. Auch bei sachlich falschen Darstellungen bestimmter Kulturen oder Lebensrealitäten kann Sensitivity Reading die Qualität eines Textes verbessern.
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Bei bereits veröffentlichten Werken sollte dagegen Zurückhaltung gelten. Statt Formulierungen stillschweigend umzuschreiben, sollte erklärt und diskutiert werden, warum sie aus heutiger Sicht problematisch wirken.
Fazit
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Sensitivity Reading ist weder grundsätzlich eine Form von Zensur noch automatisch ein unverzichtbarer Fortschritt. Entscheidend ist, wie es eingesetzt wird. Als freiwilliges Beratungsangebot kann es Autorinnen und Autoren helfen, stereotype Darstellungen, unbeabsichtigte Diskriminierungen und sachliche Fehler zu erkennen. Gerade dadurch kann Literatur glaubwürdiger und vielfältiger werden.
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Problematisch wird es jedoch, wenn aus Beratung Kontrolle wird, Schreibende aus Angst bestimmte Themen meiden oder ältere Werke nach heutigen Moralvorstellungen umgeschrieben werden. Literatur muss auch verstören, provozieren und Widersprüche zeigen dürfen.
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Deshalb sollte das Ziel nicht eine vollkommen „keimfreie“ Literatur sein. Viel wichtiger ist eine Gesellschaft, die gelernt hat, problematische Texte kritisch zu lesen, einzuordnen und über sie zu diskutieren. Sensibilität und Kunstfreiheit sind keine Gegensätze – solange Sensibilität zum Nachdenken anregt und nicht darüber entscheidet, was geschrieben werden darf.