A1 – Alpen
Hinweis: Es sollen drei der vier Aufgaben bearbeitet werden.
Die Alpen sind v. a. terrestrischer Lebensraum für verschiedene Tiere wie Alpensteinbock (Capra ibex) und Gämse (Rupicapra rupicapra), beinhalten aber auch aquatische Ökosysteme wie Seen, Flussläufe und Bäche, die z. T. auch vom Menschen, beispielsweise zur Forellenzucht, genutzt werden.
Fertige ein Diagramm der Populationsentwicklung des Alpensteinbocks im Kanton Graubünden im Zeitraum von 1923 bis 2020 an und beschreibe allgemein die darin erkennbaren Phasen einer Populationsentwicklung. (M 1)
Leite die Fortpflanzungsstrategie des Alpensteinbocks im Vergleich zu der des Gemeinen Holzbocks ab. (M 1)
Vergleiche die Bildung von ATP durch die Atmungskette in braunen Fettzellen bei geschlossenem und geöffnetem UCP-1-Protein auf der Grundlage der chemiosmotischen Theorie. (M 2)
Stelle eine begründete Hypothese auf, warum die Öffnung des UCP-1-Proteins im braunen Fettgewebe zum Wärmehaushalt der Tiere beiträgt. (M 2)
Interpretiere das in Abbildung 2 dargestellte Diagramm. (M 3)
Plane ein hypothesengeleitetes Experiment zum Einfluss der Lichtqualität auf die Vermehrung der Vielwurzeligen Teichlinse. (M 3)
Vergleiche und erkläre die Tiefenverbreitung von Regenbogenforellen im Frühjahr und Sommer auf der Grundlage der in Abbildung 3 gezeigten abiotischen Faktoren. (M 4)
Skizziere eine allgemeine, beschriftete Darstellung einer ökologischen Toleranzkurve und beurteile, ob eine Toleranzkurve zum Faktor Temperatur für die Regenbogenforelle auf der Grundlage der in Abbildung 3 dargestellten Daten erstellt werden kann. (M 4)
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Im Jahr 1920 war der Alpensteinbock im Schweizer Kanton Graubünden ausgerottet. Nach der Auswilderung weniger Tiere in diesem Jahr hat sich der Bestand dieser Tierart dort wie folgt entwickelt (Tab. 1):
Tab. 1: Bestandsentwicklung des Alpensteinbocks in Graubünden1
|
Jahr |
1923 |
1933 |
1943 |
1953 |
1963 |
1973 |
1983 |
1993 |
2003 |
2006 |
2010 |
|
Individuenzahl |
25 |
100 |
600 |
400 |
1200 |
3500 |
5100 |
6200 |
4800 |
5700 |
6000 |
Durch den Klimawandel bedingt dringt im Alpenraum die Zeckenart Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) in immer höher liegende Lebensräume vor. Die Weibchen dieser Zeckenart ernähren sich als Parasit vom Blut von Säugetieren. Dies könnte dazu führen, dass der Gemeine Holzbock dort auch mit den Alpensteinböcken in Kontakt kommt. Folgende Tabelle 2 fasst Informationen zum Alpensteinbock und zum Gemeinen Holzbock vergleichend zusammen:
Tab. 2: Informationen zu Alpensteinbock und Gemeinem Holzbock
|
maximale Lebensdauer in Jahren |
durchschnittliche Körpermasse der Weibchen |
durchschnittliche Zahl an Nachkommen pro Jahr |
Eintritt der Geschlechtsreife nach |
|
|
Alpensteinbock |
14 |
45 kg |
1 bis 2 |
2,5 Jahren |
|
Gemeiner Holzbock |
6 |
0,3 g |
2000 (Eier) |
3 Jahren |
Material 2: Wärmehaushalt bei Gämsen
Eine Angepasstheit von Gämsen an das Leben im Hochgebirge ist ihr braunes Fettgewebe, das unter anderem durch Wärmeproduktion Schutz vor Unterkühlung bietet. Die Fähigkeit des braunen Fettgewebes, den Körper auch bei extrem niedrigen Temperaturen zu wärmen, geht auf ein spezielles Protein, das UCP-1, in der inneren Mitochondrienmembran zurück. UCP-1 ist ein Tunnelprotein für Protonen, das bei Kälte geöffnet werden kann (Abb. 1).

Abb. 1: chemiosmotische Vorgänge im Mitochondrium2
Material 3: Forellenzucht im Alpenvorland
Im bayerischen Alpenvorland wird Fischzucht betrieben. Ein Fischteich nahe Rosenheim mit einer Wasserfläche von ca. zwei Hektar wird zur Zucht von Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) genutzt. Der Teich und seine beiden Zuflüsse sind von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben. In das Gewässer wurde von Wasservögeln die Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) eingebracht. Dabei handelt es sich um auf der Wasseroberfläche treibende Pflanzen mit wenigen, linsengroßen Blättchen, die sich ungeschlechtlich vermehren und somit im Sommer ein Gewässer innerhalb weniger Wochen komplett bedecken können.
In einer Seminararbeit zur Charakterisierung dieses Gebiets wurde der Nitratgehalt der Zuflüsse und des Ablaufs des Fischteichs über fast ein halbes Jahr hinweg regelmäßig bestimmt. Die erhaltenen Messwerte sind in der folgenden Abbildung 2 zusammengefasst:

Abb. 2: Nitrat-Ionenkonzentrationen in den Zuflüssen und im Ablauf des Fischteichs in mg/L
In einer weiteren Seminararbeit soll der Einfluss der Lichtqualität auf die Vermehrung der Vielwurzeligen Teichlinse untersucht werden. Dazu stehen neben den üblichen Laborgeräten und Chemikalien baugleiche Lichtquellen mit einem roten, grünen sowie einem blauen Farbfilter (Farbfilter lassen nur Licht einer bestimmten Farbe passieren) zur Verfügung.
Material 4: Abiotische Umweltfaktoren bei Regenbogenforellen
Regenbogenforellen bevorzugen kaltes, sauerstoffreiches Wasser. Bei Temperaturen über 23 °C und einem Sauerstoffgehalt unter 2,5 mg/L können sie nicht überleben. Die Diagramme in Abbildung 3 zeigen die Faktoren Temperatur und Sauerstoffgehalt in Abhängigkeit von der Wassertiefe eines Alpensees sowie die Tiefenverbreitung von Regenbogenforellen in diesem Gewässer zu unterschiedlichen Jahreszeiten.

Abb. 3: Tiefenverbreitung von Regenbogenforellen, Temperatur und Sauerstoffgehalt in einem Alpensee im Frühjahr und Sommer3
Quellen:
1 Daten aus: G. Brosi: 30 Jahre Steinwildjagd in Graubünden. Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (2007)
2 Cannon, B. & Nedergaard, J. (2004). Brown Adipose tissue: Function and physiological significance. Physiological Reviews, 84(1), 277–359.
3 Rowe, D. K. & Chisnall, B. L. (1995). Effects of oxygen, temperature and light gradients on the vertical distribution of rainbow trout, Oncorhynchus mykiss, in two North Island, New Zealand, lakes differing in trophic status. New Zealand Journal of Marine and Freshwater Research, 29(3), 421–434.
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Beschreibung der Phasen:
-
lag-Phase: Zunächst verzögertes Populationswachstum durch Einstellung auf die vorliegenden Lebensbedingungen
-
log-Phase: Populationswachstum mit maximaler Wachstumsrate unter natürlichen Bedingungen; Abnahme der Wachstumsrate hin zur stationären Phase
-
Stationäre Phase: Kein Populationswachstum bei Erreichen der Umweltkapazität, Beginn der Schwankungen um die Umweltkapazität von ca. 1993 bis heute
Eher K-Strategie beim Alpensteinbock im Vergleich zum Gemeinen Holzbock
-
Höhere durchschnittliche Körpermasse des Weibchens
-
Geringere Anzahl an Nachkommen pro Jahr sowie längere Lebensdauer
-
Bezüglich des Eintritts der Geschlechtsreife sind die Unterschiede nicht eindeutig
-
Geschlossenes UCP-1-Protein: Aufbau eines Protonengradienten zwischen Matrix und Intermembranraum → Nutzung des Protonenflusses entlang des Gradienten durch die ATP-Synthase zur ATP-Bildung
-
Geöffnetes UCP-1-Protein: Abbau des Protonengradienten durch das UCP-1-Protein → verringerte ATP-Bildung
-
Hypothese z. B.: Umwandlung der Energie aus dem Protonengradienten direkt in Wärmeenergie statt in chemische Energie (ATP) → Beitrag zum Erhalt der Körpertemperatur bei Kälte
Interpretation z. B.:
Ähnlicher Verlauf bei Zufluss 1 und 2; bei Zufluss 2 Nitratgehalt generell höher → vermutlich intensivere Düngung der an dieses Gewässer angrenzenden Landflächen; bei Beginn der Messung jeweils relativ hoher Nitratgehalt wegen Ausbringung von Dünger am Anfang der Vegetationsperiode.
Maximaler Nitratgehalt jeweils im Monat Juli, z. B. wegen Eintrag durch Starkregen; Nitratgehalt mit Minimum im Juli im Ablauf geringer als Nitrat-Eintrag durch Zuflüsse → Nitrat-Ionen werden im Ökosystem v. a. in der Wachstumsphase im Zeitraum von April bis Juli aufgenommen, z. B. in Proteinen von Pflanzen.
-
Hypothese: Stärkere Vermehrung der Vielwurzeligen Teichlinse bei rotem und blauem Licht im Vergleich zu grünem Licht, Begründung über Wirkungsspektrum der Photosynthese;
-
Experimentelles Design z. B.: Mehrere Wasserbecken werden mit Licht unterschiedlicher Farbe (rotes, grünes bzw. blaues Licht) bestrahlt, alle anderen abiotischen Faktoren, die Einfluss auf die Vermehrung der Vielwurzeligen Teichlinse nehmen können, z. B. Temperatur oder pH-Wert, werden jedoch konstant gehalten. Eine kleine, definierte Ausgangspopulation der Vielwurzeligen Teichlinse, z. B. bezogen auf eine bestimmte Masse, wird in jedes der Becken eingesetzt. In festgesetzten Zeitintervallen wird in jedem Becken die Masse der Teichlinsenpopulation gemessen und die Werte werden verglichen.
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Vergleich: In beiden Jahreszeiten Begrenzung der Tiefenverbreitung nach unten bis ca. 30 m Wassertiefe; im Sommer zusätzliche Einschränkung der Tiefenverbreitung, da auch Bereiche oberhalb von 15 m Wassertiefe nicht besiedelt werden
-
Erklärung: Begrenzung nach unten durch zu geringen Sauerstoffgehalt, zusätzliche Begrenzung im Sommer nach oben durch zu hohe Temperaturen im Oberflächenwasser; Allgemeine Darstellung einer ökologischen Toleranzkurve z. B.:

-
Beurteilung: Vollständige Darstellung hier nicht möglich: Temperatur-Minimum nicht ableitbar, da Sauerstoffgehalt in größerer Wassertiefe limitierenden Faktor darstellt.