Aufgabe II – Hybris: Himmel in Flammen
Fasse den Essay von Thomas Assheuer in fünf Thesen zusammen!
„Hybris ist ein Menschheitsthema, vielleicht das größte von allen. Die Warnung vor Maßlosigkeit und Hochmut bildet das narrative Sediment fast aller Geschichten, die Menschen über sich selbst erzählen.“ (Z. 1-3)
Stelle Aspekte biblischer Anthropologie dar, die entgegen dem Zitat eine positive Sicht auf den Menschen eröffnen!
„Der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel klagt in seinem Buch ‚Hybris‘ über die Sucht nach Profit und Prestige, nach Ruhm und Macht in der Gegenwart. Er empört sich über Anspruchsdenken, Steigerungswahn, über selbstsüchtige Eliten in Staat und Wirtschaft.“ (Z. 23-26)
Entfalte anhand eines selbst gewählten Beispiels, welche Folgen sich aus dem im Zitat erkennbaren Suchtverhalten für die gegenwärtige Arbeitswelt ergeben!
„Es wird klar: Der exzessive Missbrauch der Freiheit führt zu Unfreiheit, denn alles Handeln steht fortan unter dem Zwang, die Katastrophe abzuwenden.“ (Z. 51-53)
Skizziere Luthers Rede von der „Freiheit eines Christenmenschen“ und ihre Bedeutung für menschliches Handeln und setze dies in Beziehung zum Zitat.
„Der Mensch, wusste Kant, ‚muss so verfahren, als ob alles auf ihn ankomme‘“. (Z. 55 f.)
Erläutere Immanuel Kants Aussage vor dem Hintergrund seines ethischen Konzepts.
„Es ist wahr: Ohne Hybris geht es auch jetzt nicht.“ (Z. 56 f.)
An deiner Schule finden unter dem Titel „Ideen für die Welt von morgen – eine bessere Zukunft ist möglich!“ Projekttage statt, die aus dem Blickwinkel der unterschiedlichen Schulfächer Ideen zum Thema erarbeiten. Entwirf für das Fach Evangelische Religionslehre einen Textbeitrag, der sich aus evangelisch-christlicher Perspektive mit Überlegungen zu menschlichem Handeln sowie dessen Möglichkeiten und Begrenztheit auseinandersetzt.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Ohne Vermessenheit wird die Menschheit den Planeten nicht retten können, schreibt Thomas Assheuer in seinem Essay für die Wochenzeitung „DIE ZEIT“.
Quelle: Thomas Assheuer: Hybris. Himmel in Flammen, aus: DIE ZEIT 22/2022, S. 55 f.; für Prüfungszwecke gekürzt
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Es werden vier Aufgaben zur Verfügung gestellt, von denen eine bearbeitet werden muss.
Die folgenden Lösungshinweise sind bewusst sehr ausführlich gestaltet, um deutlich zu machen, wie gerade die neuen und neu zugeschnittenen Aspekte des LehrplanPLUS im Rahmen von Leistungsmessungen zu verstehen sind. Daher enthalten sie auch Gesichtspunkte, die erheblich über möglicherweise erwartbare Prüfungsleistungen von Schülerinnen und Schülern hinausgehen.
Zusätzlich finden sich weitere Ausführungen zu verwendeten Operatoren und Lehrplanbezügen.
Die Aussagen des Textes sollen etwa wie folgt prägnant und in eigenen Worten zusammengefasst werden:
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Beispiele aus unterschiedlichen literarischen Zusammenhängen lassen erkennen, dass Selbstüberschätzung und deren fatale Folgen die Menschheit schon immer beschäftigt haben.
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Das Beispiel des Untergangs der „Titanic“ zeigt, dass die Furcht vor menschlicher Selbstüberschätzung berechtigt und keine bloße Erfindung religiöser oder politischer Instanzen ist, um Menschen vom Widerspruch abzuhalten.
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Trotz aller Hoffnungen, dass die Menschheit aus den Fehlern der Vergangenheit und den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts gelernt hat, finden sich auch in der Gegenwart Beispiele folgenreicher Selbstüberschätzung in Politik wie Wirtschaft.
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Ursache für dieses menschliche Verhalten ist weniger bewusstes, absichtliches Handeln, sondern eher Gedankenlosigkeit, was die Frage aufwirft, ob die Menschheit überhaupt in der Lage ist, die weitreichenden Folgen des eigenen Tuns in den Griff zu bekommen.
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Die gegenwärtige Situation der Menschheit zwingt diese gleichwohl dazu, an die Grenzen des Denkbaren und Menschenmöglichen zu gehen, um die Folgen des eigenen Handelns in Vergangenheit und Gegenwart in den Griff zu bekommen.
Der Operator Zusammenfassen liegt im Anforderungsbereich I; in der Regel entspricht die Anzahl der geforderten Thesen der Anzahl von Absätzen des Materials, so auch hier. Die Aufgabe hat ihren Ausgangspunkt in Lernbereich 12.3 „Homo faber“ – Der Mensch und seine Möglichkeiten.
Das biblische Menschenbild ist von Ambivalenz gekennzeichnet. Einer einseitig pessimistischen Sicht lassen sich somit biblische Aussagen gegenüberstellen, die eine positive Sicht auf den Menschen eröffnen. Dabei sind u.a. folgende Aspekte denkbar:
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Nach Gen 1,26 ist der Mensch zugleich Geschöpf und Ebenbild. Diese Beziehungs- bzw. Funktionsaussage charakterisiert das besondere Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer; als dessen „Stellvertreter“ kommt ihm zudem eine besondere Aufgabe zu.
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Der sog. Schöpfungsauftrag, die Aufforderung zur Weltgestaltung in Gen 1,28 bzw. Gen 2,15, spiegelt die positive Erwartung Gottes an sein Geschöpf wider. Dem Menschen wird zugetraut, im Sinne Gottes Umwelt wie Zukunft zu gestalten.
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In Gen 1,31 stellt Gott nach der Erschaffung des Menschen abschließend fest: „[U]nd siehe, es war sehr gut.“
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Das Handeln Jesu, wie es in den Evangelien überliefert ist, zeigt, dass er auch Menschen gegenüber positive Erwartungen hat, die als Sünder galten. Jesus gibt keinen von ihnen auf, denn er sieht in jedem Menschen das Potenzial zur Veränderung, der Hinwendung zum Guten (z.B. Lk 19,10 Zachäus; Lk 15,11 der verlorene Sohn).
Der Operator Darstellen liegt im Anforderungsbereich I und erwartet, dass die Schülerinnen und Schüler zentrale Aspekte biblischer Anthropologie im Horizont der Fragestellung mit eigenen Worten darlegen. Der Schwerpunkt der Aufgabe liegt in Lernbereich 12.2 Der im-perfekte Mensch.
Die Arbeitswelt ist einem beständigen Wandel unterworfen. Entscheidungen auf politischer wie wirtschaftlicher Führungsebene nehmen auf diese entscheidend Einfluss. Aus unterschiedlichsten Gründen kommt es dabei immer wieder zu Fehlentscheidungen mit gravierenden Auswirkungen, wie im Essay herausgestellt wird. Anhand eines selbst gewählten Beispiels aus dem Unterricht sollenVerhalten und resultierende Folgen entfaltet werden. Je nach gewähltem Beispiel (z.B. gerechte Bezahlung, Geschlechtergerechtigkeit Verteilung von Arbeit, Arbeitsbedingungen, Ausbeutung) können u.a. folgende Aspekte thematisiert werden:
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Das Gewinnstreben eines Unternehmens in einer kapitalistisch geprägten Wirtschaftsform bedingt, dass stets eine optimale Verwertung des investierten Kapitals angestrebt wird. Die fast ausschließliche Orientierung an wirtschaftlichen Gesetzen führt immer wieder dazu, dass man versucht, bei der Gestaltung von Löhnen und Gehältern Einsparungen zu erzielen.
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Sogenannte „Restrukturierungsmaßnahmen“, u.a. im Zuge von Insolvenzverfahren, die durchaus auch im Zusammenhang mit problematischen Entscheidungen im Management stehen können, ziehen vielfach betriebsbedingte Kündigungen oder Entlassungen nach sich, während die Konsequenzen für die obersten Führungsebenen oft weniger gravierend sind.
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Obwohl 2021 ein entsprechendes Gesetz in Kraft getreten ist, ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit ca. einem Drittel immer noch recht gering. Dies ist nicht zuletzt einem Rollenbild geschuldet, das Führungspositionen mit typisch „männlichen“ Eigenschaften verbindet.
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Das Anfang 2023 in Kraft getretene sog. „Lieferkettengesetz“ ist eine Reaktion auf die lange Zeit zu beobachtende Tendenz von Unternehmen im globalisierten Handel, die Produktion von Vorleistungsgütern oder Fertigerzeugnissen in Entwicklungs- oder Schwellenländer auszulagern, um Produktionskosten einzusparen. Dies geht oft mit schlechteren Arbeitsbedingungen, niedrigen Löhnen für die Arbeitenden oder auch umweltschädigenden Produktionsformen einher.
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Auf politischer Seite ist immer wieder ein zögerliches Vorgehen bei der Behebung von Missständen im Bereich der Wirtschaft zu beobachten. Fehlender Gestaltungswille, komplexe politische Abläufe oder auch der Einfluss von Lobbygruppen können als mögliche Ursachen diskutiert werden.
Der Operator Entfalten liegt im Anforderungsbereich II; die oben genannten Gesichtspunkte greifen die im Lehrplantext vorgeschlagenen Beispiele auf. Die Aufgabe hat somit ihren Ausgangspunkt in Lernbereich 12.3 „Homo faber“ – Der Mensch und seine Möglichkeiten.
Zentrale Gedanken aus Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ sind mit Blick auf die Bedeutung menschlichen Handelns zum Zitat in Beziehung zu setzen. Folgende Aspekte können hierbei zur Sprache kommen:
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Luther reflektiert (in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“) den Zusammenhang zwischen dieser Freiheit und der Verpflichtung zum Dienst am Nächsten. Er vertraut dabei auf eine im Glauben gewährte Freiheit, die das freiwillige „Knechtsein“ ermöglicht.
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Nach Luther lebt der gerechtfertigte Mensch in einer dialektischen Spannung: Er ist einerseits vom Zwang zur Selbstrechtfertigung befreit („freier Herr über alle Dinge“) und wird andererseits frei zum Einsatz für den Nächsten („dienstbarer Knecht“). Beides ist von Gott geschenkt und ermöglicht es, einen freien Blick auf die Bedürfnisse des Nächsten zu haben und ethisch verantwortlich zu handeln.
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Das Verhältnis von Indikativ und Imperativ, die allem menschlichen Handeln vorausgehende bedingungslose Zuwendung Gottes „allein aus Gnade“, prägt Luthers Freiheitsverständnis ebenso wie das Wissen um die Grenzen des Menschen als zugleich Gerechtfertigter und Sünder (simul iustus et peccator).
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Martin Luther betont, dass man in der Gewissheit der Erlösung die neu gewonnene Freiheit positiv nutzt und sich für seine Mitmenschen einsetzt (im Sinne einer „Freiheit zu“); diese Freiheit ist gerade kein Zwang, sondern die Ermöglichung eines menschlichen Miteinanders, das die Bedürfnisse des anderen in den Blick nimmt.
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Der im Zitat angesprochene Missbrauch der Freiheit, das ungezügelte, auf die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Erfolg ausgerichtete Handeln, hat zur Folge, dass die ursprünglich gegebene Freiheit schrittweise verloren geht. Handlungsmöglichkeiten werden beschränkter, da es zunehmend vor allem darum geht, den Folgen des Freiheitsmissbrauches entgegenzuwirken. Die in der Aufgabe zitierte, vermeintliche, Freiheit ist dadurch charakterisiert, dass der, der sie für sich in Anspruch nimmt, gerade eben nicht auf andere Rücksicht nimmt. Der falsche, egoistische Gebrauch der Freiheit, die eher als eine Freiheit von „lästigen“ Regeln verstanden wird, an die man sich zu halten hat, führt somit letztlich zu Unfreiheit.
Der Operator In Beziehung setzen liegt im Anforderungsbereich II. Im Rahmen der Aufgabenstellung ist zudem im Anforderungsbereich I eine skizzierende Darstellung von Luthers Grundgedanken (im Sinne von Lernbereich 12.3 „Homo faber“ – Der Mensch und seine Möglichkeiten) zu erwarten.
In der Bearbeitung muss das Modell der Pflichtethik Immanuel Kants bekannt sein. Dieses soll schlüssig dargestellt werden, und davon ausgehend soll das Zitat eingeordnet und erkläret werden. Aspekte wie die folgenden können zur Sprache kommen:
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Kants Ethik ist deontologisch; sie orientiert sich an einer übergeordneten Pflicht (Pflichtethik), die es zu erkennen und in Folge im Handeln zu erfüllen gilt.
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Seine Handlungsmaximen prüft der Mensch anhand des kategorischen Imperativs („Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann.“). Der Aufforderungscharakter dieser Maxime macht klar, dass sich jeder Mensch in die Pflicht genommen wissen muss und es auf sein ethisches Entscheiden und Handeln „ankommt“.
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In der sogenannten Selbstzweckformel („Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“) macht Kant den kategorischen Imperativ für zwischenmenschliche Verhältnisse anwendbar. Er betont in ihr, dass alles menschliche Tun stets den Nutzen und das Wohl des Mitmenschen im Blick haben muss. Auf dieses „kommt es an“, eine Orientierung am Eigennutz, der Schaden für andere bedeuten würde, ist somit ausgeschlossen.
Der Operator Erläutern liegt im Anforderungsbereich II; die Teilaufgabe erfordert keine umfassendere Darstellung der Ethik Kants, sondern eine auf das Zitat bezogene Zuspitzung. Der primäre Bezugspunkt dieser Teilaufgabe ist Lernbereich 13.1 Die Frage nach dem guten Leben und richtigen Handeln.
Der geforderte Text soll situations- und adressatengerecht in einer angemessenen Sprache gestaltet sein und mit geeigneter Überschrift versehen werden. Als Beitrag für das Fach evangelische Religionslehre sollte der Beitrag das Motto der Projekttage aufgreifen und dabei, ganz im Sinne des Essays von Thomas Assheuer, einerseits die Notwendigkeit der Gestaltung der Zukunft herausstellen, andererseits aber auch die Grenzen menschlicher Möglichkeiten im Blick haben. Gedanken wie die folgenden können zur Sprache kommen:
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Gottebenbildlichkeit und Schöpfungsauftrag (Gen 1,26.28) begründen menschliches Handeln und Wirken in der Welt. Im doppelten Auftrag, zu „bebauen und zu bewahren“ (Gen 2,15) liegt einerseits die Forderung, die von Gott geschenkte Lebensgrundlage zu erhalten, andererseits eröffnet er aber auch den Blick darauf, dass eine Gestaltung – und damit auch Verbesserung – der eigenen Lebensumstände durchaus im Sinne Gottes des Schöpfers ist.
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Jesus setzte sich in der Zeit seines Wirkens mit den drängenden Fragen seiner Zeit auseinander (u.a. Krankheit, Hunger und soziale Ausgrenzung). Gelebte Nachfolge bedeutet somit, auch in der eigenen Gegenwart defizitäre Lebensumstände zu erkennen und sich darum zu bemühen, diese zum Wohle des Nächsten zu verbessern.
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Martin Luther sieht in seiner Unterscheidung der zwei Regimente politisches wie gesellschaftliches Engagement des Christen als besonderen „Gottesdienst“.
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In der Frage nach gesellschaftlichem Engagement betont die öffentliche Theologie, dass Kirche – und damit auch jeder einzelne Christ – ein Akteur in der Zivilgesellschaft ist und sich daher in unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens einbringen soll, da christlicher Glaube letztlich alle Lebensbereiche berührt.
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Andererseits bedingt die Geschöpflichkeit des Menschen auch seine Endlichkeit und daraus sich ergebende Grenzen. Der Mensch ist simul iustus et peccator; die Möglichkeit des Scheiterns menschlichen Wollens und Tuns bis hin zu bewusstem Fehlverhalten muss mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen stets mitgedacht werden.
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Jesus lebt und verkündet die Botschaft vom Reich Gottes in der Spannung zwischen „schon“ und „noch nicht“: Der Mensch darf und soll am Reich Gottes, an der aufgehenden Saat (vgl. Mk 4) mitwirken, aber die letzte Vollendung, die „Perfektionierung“ liegt in der Hand Gottes (vgl. Mt 24). Die damit dem Menschen gesetzte Grenze in seinem Streben ist letztlich zu akzeptieren und einem blauäugigen Utopismus entgegenzutreten.
Der Operator Verfassen (im Sinne von „Gestalten“ bzw. „Entwerfen“) liegt im Anforderungsbereich III; hier ist eine produktionsorientierte Lösung gefordert, die in der Erstellung eines adressatenbezogenen Textes besteht. Hierbei ist auf einen für den gedachten Leser nachvollziehbaren Aufbau zu achten. Bei der obigen Aufzählung möglicher Gesichtspunkte wurden neben den in der Aufgabenstellung anklingenden Bezügen zu den Lernbereichen 12.2 und 12.3 auch Aspekte der Lernbereiche 12.4, 13.1 und 13.3 berücksichtigt.