III „Der rächende Gott“
„Wer biblische Rachetexte vermeidet oder bewusst auslässt, unterdrückt damit auch wichtige Gottesbilder.“ (M 1, Z. 32f.)
Fasse die Grundaussagen des Textes M 1 unter besonderer Berücksichtigung der Vorstellung eines rächenden Gottes zusammen!
„Diese Erzählungen werden von atheistischer Seite gern als Argument gegen den christlichen Glauben in Anschlag gebracht.“ (M 1, Z. 39-41)
Erkläre ausgehend von dem obigen Zitat die Einwände eines Vertreters der Religionskritik gegen den christlichen Glauben und zeige wesentliche Ziele seines Ansatzes auf!
„Gemeinsam ist diesen Stellen das Bild eines mächtigen Gottes, der fähig und willens ist, Gerechtigkeit herzustellen und Unrecht zu bestrafen; ein Gott, der die Schwachen und Rechtlosen nicht allein lässt.“ (M 1, Z. 30-32.)
Setze das obige Zitat in Beziehung zur Bergpredigt und erläutere Herausforderungen, die sich bei einer Umsetzung im Alltag ergeben können!
„Ich habe die nackte Ikone meiner Zeit gemalt.“ (M 2b, Z. 7f.)
Skizziere Aspekte des trinitarischen Gottesbildes und vergleiche diese mit dem Bild „Das Schwarzes Quadrat“ von Malewitsch (M 2a) unter Zuhilfenahme von M 2b!
Herrgottswinkel 2.0
Zum 145. Geburtstag des Künstlers Kasimir Malewitsch wird der Ausstellungsraum (vgl. M 2c,), in dem das Bild „Das Schwarzes Quadrat“ präsentiert wurde, rekonstruiert. In Anlehnung daran ist ein begleitender Wettbewerb zum Thema „Herrgottswinkel 2.0“ ausgeschrieben, dabei kann ein leerer Raum frei gestaltet werden.
Du nimmst an diesem Wettbewerb teil und überlegst dir, wie ein aktueller Herrgottswinkel aussehen könnte. Dieser soll ein vorherrschendes Menschenbild in Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft und M 4a, b berücksichtigen.
Entwirf einen Einreichungstext für die Jury des Wettbewerbs, in dem du dein Arrangement beschreibst und ausführlich begründest! Greife dafür gegebenenfalls die Materialien M 2a, b, c, M 3, M 5 und M 6a, b auf!
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Juliane Eckstein, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung Altes Testament der Kath.-Theol. Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, setzt sich mit dem Umgang mit dem Konzept der Rache in der Bibel auseinander.
Quelle: Juliane Eckstein, Der rächende Gott – Zur Wiedergewinnung eines verdrängten Theologumenons, in: Gott. Mehr als eine Frage, Herder Korrespondenz Spezial, 2/2022, S. 53–55
M 2a: Kasimir Malewitsch – „Das schwarze Quadrat“ (1915)
Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (geb. 1879 in Kiew, gest. 1935 in Leningrad) war ein russischer Künstler. Sein abstraktes Gemälde „Das schwarze Quadrat“ aus dem Jahr 1915 gilt als ein Meilenstein der Malerei der Moderne.
Quelle: Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch, Public domain, via Wikimedia Commons (zuletzt eingesehen 05.12.2022)
M 2b: Gedanken zu Malewitsch „Das schwarze Quadrat“
Quelle: Johannes Rüster, Prometheus Münchhausen oder: Wer ist hier das Monster? Transhumanismus und Religionsunterricht, in: ET Studies 10/2 (2019), (271-294)
M 2c: Das schwarze Quadrat im Herrgottswinkel
Das Bild zeigt den Ausstellungsraum mit Werken von Malewitsch im Rahmen der „Ausstellung Null-Zehn“ (1915). Das Bild „Das schwarze Quadrat“ (M 2a) wird hier erstmals präsentiert.
Quelle: wikipedia.org – gemeinfrei (zuletzt eingesehen 05.12.2022)
M 3: Traditionelle „Herrgottswinkel“
„Herrgottswinkel“ sind in vielen traditionell-christlichen Haushalten zu finden; sie liegen oft in einer Zimmerecke („Winkel“), oftmals im Esszimmer. Es ist Brauch, diesen Ort mit einem Kreuz zu gestalten und z. B. mit einer Marienstatue, Heiligenbildern, dem Rosenkranz, Kerzen oder geweihten Palmzweigen zu schmücken.
Quelle: https://www.fotocommunity.de/photo/der-herrgottswinkel-schweden-jani/40349641 (zuletzt eingesehen 24.04.2023)
M 4: Shell-Studie 2019 – Familie, Werte, Religion
Die Shell-Jugendstudien werden im vierjährigen Turnus veröffentlicht. Die 18. Shell-Jugendstudie (2019) untersucht, wie die Generation der 12–25-Jährigen heute in Deutschland aufwächst: Welche Rolle Familie und Freude, Schule und Beruf, Digitalisierung und Freizeit spielen. Sie stellt aber auch die Frage nach Politik, Gesellschaft und Religion.
M 4a: Glaube an Gott

Quelle: Shell Studie 2019
M 4b: Was Jugendlichen wichtig ist:

Quelle: Shell Studie 2019
M 5 „Der Herr ist mein Hirte“
Psalm 23 (siehe Einheitsübersetzung der Bibel)
M 6 Undarstellbar — Visuelle Gedanken zu Gott
Jonathan Schöps (*1990), Fotograf und freischaffender Kommunikationsdesigner, beschäftigt sich mit der Frage: „Wie kann man ein abstraktes Wesen wie Gott in Bilder fassen?“ Einerseits glauben Christinnen und Christen an einen unsichtbaren Gott, andererseits macht sich jeder seine eigenen Vorstellungen von ihm. Schöps experimentiert mit Abstraktion und Symbolik.
M 6a Jonathan Schöps, Feiern und Ruhen
Quelle: Jonathan Schöps/undarstellbar.de
M 6b Jonathan Schöps, Weg zum Licht
Quelle: Quelle: Jonathan Schöps/undarstellbar.de
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Es muss erkannt werden, dass es nicht um ein umgangssprachliches Verständnis von Rache geht, sondern um ein biblisch fundiertes Verständnis des Motivs der Rache im Kontext des Alten Testaments.
Folgende Kernaussagen werden im Text angeführt:
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Der Text spricht die Wiederbesinnung auf das Motiv des mächtigen, rächenden Gottes an.
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Eine Abkehr vom Rache-Gedanken ist nicht biblisch.
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Die „Zumutung“, die sich aus Jesu Forderung nach Verzicht auf Widerstand ergibt, muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden:
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Gefordert wird eine andere Gerechtigkeit, die um die eschatologische Perspektive erweitert wird.
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In der Bibel ist die Rache ein festes Motiv.
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Gott ist mächtig und stellt Gerechtigkeit her.
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Das heißt: Gott verhilft den Unterdrückten zu ihrem Recht.
Folgende inhaltliche Aspekte sind am Beispiel von Schmidt-Salomon möglich:
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Gott ist hier ein strafender Gott, der alle Lebewesen („auch die Babys und die kleinen Igel und die Schmetterlinge“) in der Sintflut ertränkt.
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Gott überwacht alle Menschen und bestraft gnadenlos.
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Das Christentum ist eine freudlose, trostlose Religion, die die Menschen unglücklich macht.
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Bestrafung wird als ein Aspekt von Rache gesehen.
Folgende inhaltliche Aspekte zu den wesentlichen Zielen des Ansatzes können genannt werden:
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Das Buch möchte „aufklären“ über die Weltreligionen.
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Alle Menschen sollen glücklich sein und sich ihres Lebens freuen.
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Aber: Keine Religion, auch das Christentum nicht, macht die Menschen glücklich.
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Deshalb ist die Schlussfolgerung: Der Mensch braucht keinen Gott, um glücklich zu sein; im Umkehrschluss:
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Nur Menschen ohne Religion können glücklich sein.
Folgende Aspekte sind unter anderem zu erwarten:
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Die Schlüsselworte des Zitates, etwa „eines Gottes, der … Gerechtigkeit“ herstellt, „die Rechtlosen und Schwachen“, lassen sich in direkte Beziehung zur Bergpredigt setzen: die Forderung nach der neuen Gerechtigkeit, die Seligpreisungen.
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Der Text M 1 greift die Forderung Jesu nach Barmherzigkeit und Feindesliebe auf und steht scheinbar im Widerspruch zum Motiv des „strafenden“ Gottes.
Danach sollen Herausforderungen veranschaulicht werden, die sich bei einer Umsetzung im Alltag eventuell ergeben. Folgende Herausforderungen könnten genannt werden:
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Entsprechend den Weisungen der Bergpredigt sind wir aufgerufen, uns für eine friedliche und gerechte Welt einzusetzen und tätige Nächstenliebe zu praktizieren. Aber es können sich Schwierigkeiten und Herausforderungen ergeben:
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Unrecht zu bestrafen und Gerechtigkeit herzustellen scheint in der heutigen Zeit angesichts aktueller Krisen und Kriege sehr schwer, wenn die Forderungen der Bergpredigt nach Feindesliebe und Gewaltlosigkeit erfüllt werden sollen.
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Wo liegen Grenzen der Barmherzigkeit?
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Wer hat das Recht zu bestrafen? Wann erachten wir Bestrafung als (un)gerecht ?
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Was ist „Gerechtigkeit“?
Folgende inhaltlich Aspekte könnten genannt werden:
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Transzendenz und Personalität Gottes (z. B. Ex 3,1-15):
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Unverfügbarkeit und Fürsorge
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Verborgenheit und Hinwendung
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Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
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Jesu Wirken in Wort und Tat (z. B. Mk 2)
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das Wirken des Heiligen Geistes (z. B. Apg 2,1-13)
Mögliche Vergleichspunkte können sein:
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„Das Schwarze Quadrat“ ist ein Gottesbild (Ikone) seiner Zeit.
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Provokation
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Die Unverfügbarkeit, Verborgenheit und Transzendenz des biblischen Gottes entsprechen der schwarzen Farbe des Quadrats, die „nichts“ (oder alles!) aussagt über das Dargestellte.
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Das Quadrat lässt Raum für menschliche Interpretationsfreiheit und Gottes Größe (vgl. Sir 43,27-33).
Bei dieser Aufgabe sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:
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formale und sprachliche Gestaltung:
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Einreichungstext im Sachstil
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Strukturierte und nachvollziehbare Gedankenführung
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Adressatenbezug
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inhaltliche Aspekte und weitere Fachkenntnisse:
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Beschreibung und Begründung der Raumform und ggf. der Ausstellungsgegenstände
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Bezug zum gewählten Menschenbild in Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft
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Bezug zu M 4a, b
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gegebenenfalls Einbeziehung der Materialien (M 2a, b, c, M 3 , M 5 und M 6a, b)
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