I BWL
Die Lufthansa AG ist eines der größten international tätigen Luftfahrtunternehmen. Wie die gesamte Branche hat das Unternehmen turbulente Jahre hinter sich.
Gib einen grundlegenden Überblick über unternehmerische Zielsetzungen und leite aus den Aussagen des Textes ab, welche Ziele von der Lufthansa AG verfolgt werden (M 1)!
Erläutere auch mit Hilfe einer graphischen Darstellung, wie sich die geplante Modernisierung (M 1, Z. 20 ff.) auf die Gewinnschwelle auswirken könnte! Es soll davon ausgegangen werden, dass alte Flugzeuge durch neue ersetzt werden!
Beurteile das Unternehmen auf Grundlage geeigneter Kennzahlen zur Rentabilität (M 2) sowie einer SWOT-Analyse (M 3)!
Investitionsentscheidungen bestimmen den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Kurzfristige Erfordernisse können jedoch den langfristigen Planungen entgegenstehen. Neben spezifischen Produktinformationen können Unternehmensbilanzen als Entscheidungshilfe herangezogen werden.
In der nachfolgenden fiktiven Entscheidungssituation soll eine hypothetische Investitionsentscheidung zwischen zwei Flugzeugtypen (Modell 1 und Modell 2) auf Grundlage der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Lufthansa AG getroffen werden.
Beurteile die Investitionsentscheidung für einen der beiden Flugzeugtypen vor dem Hintergrund der Kapitalwerte der beiden Investitionsalternativen (M 4) sowie ausgewählter Liquiditätskennzahlen der Lufthansa AG (M 1, M 2)!
Zeige am Beispiel der Investition in das neue Flugzeugmodell (M 4) Grenzen der Investitionsrechnung auf (M 1)!
Gib eine begründete Empfehlung für die Art der Finanzierung der geplanten Modernisierung der Flugzeugflotte ab (M 1, M 2)!
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Quelle: https://fundscene.com/lufthansa-chef-flugverkehr-bleibt-trotz-krisen-auf-erholungskurs/, aufgerufen am 14.10.2022, bearbeitet
M 2: Vereinfachte Konzernbilanz der Lufthansa Group 2020/21
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Aktiva (in Mio. EUR) |
2021 |
2020 |
Passiva (in Mio. EUR) |
2021 |
2020 |
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AV |
EK |
||||
|
Immaterielles Vermögen |
1.608 |
1.638 |
Gezeichnetes Kapital |
3.060 |
1.530 |
|
Flugzeuge und Materialien |
17.165 |
17.665 |
Rücklagen |
3.621 |
6.582 |
|
Übrige Sachanlagen |
3.354 |
3.671 |
Jahresüberschuss |
-2.191 |
-6.725 |
|
Beteiligungen |
717 |
709 |
|||
|
Sonstiges AV |
6.219 |
5.761 |
FK |
||
|
UV |
Langfr. Rückstellungen |
6.676 |
9.531 |
||
|
Vorräte |
675 |
726 |
Langfr. Verbindlichkeiten |
16.690 |
13.907 |
|
Forderungen |
3.686 |
2.843 |
Kurzfr. Rückstellungen |
1.256 |
831 |
|
Wertpapiere UV |
5.359 |
3.654 |
Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung |
4.186 |
3.321 |
|
Sonstiges UV |
1.448 |
1.011 |
Sonst. kurzfristige Verbindlichkeiten |
9.240 |
10.507 |
|
Liquide Mittel |
2.307 |
1.806 |
|||
|
Gesamt: |
42.538 |
39.484 |
Gesamt: |
42.538 |
39.484 |
Die Umsatzerlöse betrugen im Jahr 2021 16.811 Mio. EUR, im Jahr 2020 13.589 Mio. EUR.
Quelle: eigene Darstellung, Geschäftsbericht Lufthansa AG, aufgerufen am 14.10.2022
M 3:
Quelle: eigene Zusammenstellung
M 4: Mögliche Investitionsalternativen im Bereich Verkehrsflugzeuge
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Typ |
Modell 1 |
Modell 2 |
|
Stückpreis |
260 Mio. EUR |
305 Mio. EUR |
|
Gesamtertrag pro Jahr |
69,120 Mio. EUR |
74,304 Mio. EUR |
|
Gesamtkosten pro Jahr |
40,400 Mio. EUR |
40,580 Mio. EUR |
|
Kapitalwert |
zu berechnen |
|
Die Flugzeuge sollen im interkontinentalen Flugverkehr eingesetzt werden. Nach ca. 10 Dienstjahren werden die Maschinen für etwa 10 Prozent des ursprünglichen Anschaffungswerts weiterverkauft. Der aktuelle Kapitalmarktzins liegt bei derzeit drei Prozent.
Quelle: eigene Darstellung
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|
Ziele |
Textbezug (M 1) |
|
Ökonomische Ziele |
- Erhöhung der Auslastung (Z. 7 ff.) - Erhöhung der Ticketpreise (Z. 13 ff.) - Steigerung der Profitabilität (Z. 17 ff.) - Modernisierung der Flotte (Z. 19) - Anschaffung neuer Flugzeuge (Z. 20) - Senkung des Kerosinverbrauchs (Z. 22 f.) - Erhöhung des Komforts (Z. 23 f.) |
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Ökologische Ziele |
- Senkung des Kerosinverbrauchs (Z. 22 f.) |
|
Soziale Ziele |
werden im Text nicht genannt |
|
Ethische Ziele |
werden im Text nicht genannt |
Erläutern auch mit einer Graphik, z. B.:
Durch die Modernisierung der Flugzeugflotte steigen die Fixkosten, z. B. infolge neuer Kredite, zugleich sinken die variablen Kosten über die günstigeren Betriebskosten (z. B. geringerer Kerosinverbrauch). Somit könnte es möglich sein, selbst bei einer geringeren Stückzahl (Anzahl der beförderten Passagiere), die Gewinnschwelle zu erreichen.
Beurteilen, z. B.:
Hinweis: Grundsätzlich sind unterschiedliche Berechnungsarten bei der Eigenkapitalrentabilität möglich. Aus Gründen der Vereinfachung wurde hier - wie auch bei vielen Unternehmen üblich - der Jahresüberschuss zum gesamten Eigenkapital am Jahresende in Beziehung gesetzt.
Die Rentabilitätskennzahlen zeigen die aktuell angespannte Situation des Unternehmens. Bedingt durch die Pandemie, die damit verbundenen Reisebeschränkungen und die in der Folge entstandene Rezession war die Anzahl der Flugbuchungen und damit verbunden die Auslastung der Flugzeuge im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 stark rückläufig. In der Folge führte dies zu einem negativen Jahresüberschuss (Verlust). Daher sind beide Kennzahlen zur Rentabilität negativ. Da die Kennzahlen zur Rentabilität die Verzinsung des eingesetzten Kapitals widerspiegeln, sollten diese grundsätzlich immer positive Ergebnisse liefern. Grundsätzlich haben sich die Kennzahlen zur Rentabilität bereits vom Geschäftsjahr 2020 auf das Jahr 2021 verbessert. Sowohl die prognostizierte Steigerung der Kapazitätsauslastung als auch der zu erwartende bessere Umgang mit dem Personalmangel geben Anlass zur Hoffnung, dass Lufthansa zukünftig steigende Betriebsgewinn erwirtschaften kann.
SWOT-Analyse:
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Strengths (Stärken) |
Weaknesses (Schwächen) |
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Unternehmensinterne Faktoren |
- eine der größten Fluggesellschaften in Europa (Z. 1) |
- ungenügendes Personalmanagement (Nichtverfügbarkeit vieler Mitarbeiter) (Z. 10) |
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- Lufthansa-Group weltweit tätig (Z. 2) |
- Nichtverfügbarkeit von Ressourcen (Z. 13 f.) |
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- 5-Sterne-Airline (Z. 4 ) |
- Arbeitskonflikte (Z. 15 f.) und Streiks (Z. 16) |
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- hervorragende Dienstleistungen (Z. 5 ff.) |
- hohe Lohnkosten (Z. 32) |
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- wachsender Umsatz u. a. durch höhere Passagierzahlen etc. (Z. 8 f.) |
- schlechte Liquidität und Rentabilität (vgl. Analyse) |
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Unternehmensexterne Faktoren |
Opportunities (Chancen) |
Threats (Gefahren) |
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- wachsende Märkte in Nordamerika und Europa (Z. 21 ff.) |
- starker Wettbewerb durch Billigfluggesellschaften; Lufthansa ist eine Full-Service-Airline (Z. 28 f.) |
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- Eingehen von Partnerschaften mit anderen Fluggesellschaften (Z. 21 ff.) |
- steigende Treibstoffpreise (Z. 32, 35) |
|
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- weltweite politische Spannungen (Z. 34) |
Die finanzielle Lage des Unternehmens ist derzeit noch stark angespannt. Die dargestellten Geschäftsjahre zeigen, dass die Einnahmen zur Anlage neuer Liquiditätspuffer noch nicht ausreichen. Auch der immer noch bestehende Personalmangel, die Unzufriedenheit der Mitarbeiter sowie das Risiko von Streiks gefährden möglicherweise die erhoffte Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Hinzu kommt die Konkurrenz vieler deutlich günstigerer Anbieter, die von einem Wiedererstarken des Marktes ebenfalls profitieren wollen. Gleiches gilt für das insgesamt sehr labile Umfeld, mit dem aktuell die Wirtschaft und damit auch Lufthansa konfrontiert ist.
Dennoch scheinen viele der ergriffenen Maßnahmen in die richtige Richtung zu gehen. Verbesserungen bei der Qualität und die Modernisierung der Flotte schaffen Voraussetzungen, um am Markt dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Beurteilen, z. B.:
Berechnung zu Modell 1, bezogen auf ein Flugzeug:
, mit
, wobei
und .
Daraus folgt:
Vergleicht man den Kapitalwert der beiden Investitionsalternativen, wäre eine Investition in das Modell 2 mit einem Kapitalwert von 5,367 Mio. Euro rentabler, da diese im Vergleich zu Modell 1 über 10 Jahre Laufzeit etwa eine Million Euro mehr Wert erwirtschaftet (5,337 Mio. EUR - 4,334 Mio. EUR = 1,003 Mio. EUR).
Allerdings ist es denkbar, dass infolge der angespannten finanziellen Lage die Lufthansa AG (vgl. M 2) nicht über die erforderlichen liquiden Mittel verfügt, um das um 45 Mio. Euro teurere Flugzeug zu beschaffen, auch wenn dieses auf lange Sicht rentabler wäre. Bezogen auf das Beispiel aus M 1 und die dort geplante Anschaffung von 200 Maschinen würde eine Entscheidung für das Modell 2 einen Mehrbedarf von 9 Milliarden Euro nach sich ziehen. Mit einer Liquidität 1. Grades von 15,71 % und der Liquidität 3. Grades von 91,78 % weist die Bilanz 2021 keine ausreichenden Liquiditätskennzahlen aus, um mit den kurzfristig verfügbaren Vermögensgegenständen die kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten begleichen zu können (Postulat der Fristenkongruenz). Daher wird das Unternehmen möglicherweise bestrebt sein, die Beschaffung neuer Flugzeugtypen zur Modernisierung seiner Luftflotte möglichst kostengünstig zu realisieren, um die finanzielle Mehrbelastung durch neue Kredite zu reduzieren. Bezieht man die Entwicklung der Liquiditätskennzahlen in die Betrachtung mit ein, lässt sich festhalten, dass sich sowohl die Liquidität 1. Grades als auch die Liquidität 3. Grades im Vergleich zu 2020 um 3,4 bzw. 23,3 Prozentpunkte verbessert hat und darüber hinaus die Informationen in M 1 auf eine weitere Verbesserung der finanziellen Lage schließen lassen.
Aufzeigen, z. B.:
Die Problematik der Bewertung von Investitionen beruht auf der Unsicherheit über die in Zukunft anfallenden Einnahmen und Ausgaben sowie die unterstellten Annahmen, z. B.:
-
So könnte die geplante Auslastung der Maschinen in der Realität abweichen (z. B. infolge des Verhaltens von Konkurrenten).
-
Ebenso wird der Preis für die Flüge vermutlich über die 10 Jahre hinweg steigen.
-
Kostenfaktoren, wie z. B. der Kerosinpreis oder die Lohnkosten können variieren.
-
Der kalkulatorische Zinssatz kann angepasst werden, wenn sich unternehmerische Ziele ändern oder neue Investoren einsteigen.
-
Denkbar wäre auch, dass infolge von Unfällen und technischen Defekten dieser Flugzeugtyp vorzeitig aus der Flotte entfernt wird.
Begründete Empfehlung geben, z. B.:
Grundsätzlich stehen einem Unternehmen die Möglichkeiten der Innen- und Außenfinanzierung mit Eigen- oder Fremdkapital zur Verfügung. Die Wahl der geeigneten Finanzierungsform hängt von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren ab, darunter, z. B.:
-
die Ertragskraft des Unternehmens (Finanzierung aus dem Umsatzprozess)
-
die Höhe der liquiden Mittel sowie von Rücklagen des Unternehmens
-
die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Unternehmens
-
der erhoffte Ertrag der Investitionen
-
die möglichen Kosten einer Fremdfinanzierung
-
der Grad der Unabhängigkeit (beispielsweise Einflussnahme eines Kreditgebers)
Betrachtet man sich die Ergebnisse der Kapitalwertmethode, so ist die Anschaffung - egal welchen Flugzeugtyps - eine rentable Investition. Zudem scheinen sich die Verhältnisse in der Branche wieder zu normalisieren (Auslastung, Umsatz, Gewinne). Daher wäre es denkbar, dass z. B. Kreditgeber von außen (Fremdfinanzierung) oder auch Eigenkapitalgeber (z. B. in Form einer Kapitalerhöhung) das nötige Kapital zur Verfügung stellen.
Allerdings sind diese Überlegungen mit einer Reihe von Unsicherheiten behaftet. So kann nicht gewährleistet werden, dass die unterstellte Auslastung der Flugzeuge (87 %) tatsächlich eintreten wird. Zudem könnten die Energiekosten weiter steigen und so die erhofften Gewinne reduzieren. Die derzeit noch schwache finanzielle Lage des Unternehmens könnte verhindern, dass im größeren Umfang Kredite aufgenommen werden können, weil Kreditgeber einen festen Zins erwarten, der auch erwirtschaftet werden muss. Gegen eine Kapitalerhöhung wiederum spricht, dass schon von 2020 auf 2021 eine solche Erhöhung erfolgte, daher könnte diese Möglichkeit derzeit ausgereizt sein.
Fazit: Grundsätzlich sollte das Unternehmen keine Probleme haben, die erforderlichen Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen, so dass die Möglichkeit der Fremdfinanzierung von außen geben ist. Im Hinblick auf die erhoffte Normalisierung der wirtschaftlichen Lage sollte aber noch vorsichtig agiert werden. Eine zu starke Kreditaufnahme könnte die Finanzkraft des Unternehmens derzeit noch übersteigen. Die Möglichkeiten der Eigenfinanzierung aus dem Umsatzprozess sollten angesichts der hohen Verluste in den letzten Jahren erst einmal zurückgestellt werden.