II
Deutschland zwischen Demokratie und Diktatur
Prüfungsteil A
Beschreibe den Aufbau des NS-Staates in den Jahren 1933 und 1934 sowie seine Struktur!
Die antijüdischen Gewaltmaßnahmen im nationalsozialistischen Deutschland mündeten in die systematische Ermordung von sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden.
Analysiere die Bildquellen M 1 und M 2!
Beurteile, inwieweit diese Materialien dazu geeignet sind, die Wahrnehmung und die Beteiligung an der Verfolgung und systematischen Ermordung von Jüdinnen und Juden seitens der nichtjüdischen Bevölkerung in Deutschland zu dokumentieren!
Mit der friedlichen Revolution 1989 endete die SED-Diktatur in der DDR. In seinen drei Jahre später erschienenen Erinnerungen (M 3) ging der langjährige Generalsekretär der SED, Erich Honecker, auf das Scheitern der DDR ein.
Arbeite aus M 3 heraus, welche Gründe Erich Honecker für das Ende der DDR anführt, und nimm anschließend Stellung dazu!
Stelle auch unter Bezugnahme auf deine Ergebnisse aus 3.1 die Aufarbeitung der SED-Diktatur als innenpolitische Herausforderung im wiedervereinigten Deutschland dar!
Prüfungsteil B
Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 12/1 oder 13/1 oder 13/2.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Fotografie der Versteigerung des Besitzes von deportierten Jüdinnen und Juden der Kreisstadt Lörrach, Ende November 1940
Nach der Deportation der Lörracher Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940 begann vier Wochen später die „Verwertung“ des jüdischen Eigentums. Im Zuge dessen wurde manchmal der Hausrat auf Tischen vor den Wohnungen angeboten und von Uniformierten zugunsten der Staatskasse versteigert. Die Fotografie wurde wahrscheinlich vom Kriminalpolizeibeamten Gustav Kühner angefertigt.

Material 2: Fotografie der Deportation jüdischer Deutscher aus Würzburg am 25. April 1942
Generell legte die Gestapo großen Wert auf ein strenges Fotografierverbot bei der Durchführung von Deportationen, wobei diejenige der mainfränkischen Jüdinnen und Juden 1941/42 eine Ausnahme darstellte. Auf Anordnung des Nürnberger Polizeipräsidenten schoss ein Gestapo-Beamter von den ersten drei der insgesamt sieben Deportationen aus Würzburg und Kitzingen weit über 100 Fotos. Der Transport am 25. April 1942 umfasste 852 Menschen.

Jews deported from Würzburg march down the Hindenburgstrasse from the Platzscher Garten to the railroad station, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Material 3: Auszug aus den im Jahr 1992 veröffentlichten Erinnerungen Erich Honeckers
Quelle: Erich Honecker: Zu dramatischen Ereignissen, Hamburg 1992, S. 17 f.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweis: Die folgenden Lösungen wurden in Stichpunkten verfasst. Zur vollständigen Umsetzung der Aufgabenstellung wäre grundsätzlich eine zusammenhängende Darstellung in Fließtextform erforderlich. Darüber hinaus sind individuell unterschiedliche, fachlich begründete Lösungsansätze möglich.
Beschreibung von Aufbau und Struktur des NS-Staates, v. a.:
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Übernahme der Regierungsverantwortung durch die NSDAP mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, legalistische Organisation einer Mehrheit aus NSDAP und DNVP im Reichstag;
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weitgehende Einschränkung der Menschen- und Bürgerrechte durch Notverordnungen, zunächst insbesondere zur Verfolgung und systematischen Ausschaltung politischer Gegner;
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Auflösung des Föderalismus mit dem Recht der Übernahme der Länderregierungen durch die Reichsregierung;
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Konzentration der gesamten exekutiven und legislativen Macht in der Reichsregierung durch das „Ermächtigungsgesetz“;
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Etablierung der NS-Ideologie durch „Gleichschaltung“ und die Beseitigung von Formen organisierter Mitsprache (z. B. Parteien, Gewerkschaften) sowie zivilgesellschaftlicher Organisationen (z. B. Jugend- und Freizeitverbände);
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Flankierung der gesetzlichen Maßnahmen durch Auf- und Ausbau der Parteistruktur und massive Droh- und Gewaltakte von SA und SS sowie die Errichtung von Konzentrationslagern;
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Übernahme der Befugnisse des Reichspräsidenten durch Hitler mit dem Tod Hindenburgs;
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Struktur: Dualismus von Partei und Staat, Hitler als „Führer“ und alleiniger Referenzpunkt eines polykratischen Machtkomplexes.
Die antijüdischen Gewaltmaßnahmen im nationalsozialistischen Deutschland mündeten in die systematische Ermordung von sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden.
Analyse der Bildquellen M 1 und M 2:
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M 1: offizielle Versteigerung des Hausrats von deportierten Jüdinnen und Juden, von schräg oben fotografiert, rechts Tische mit diversen Alltagsgegenständen als „Waren“, links eine sich hinter einem Absperrseil drängende Menschenmenge an interessierten, zum Teil gut gelaunten Käuferinnen und Käufern unterschiedlichen Alters, mitunter mit Einkaufstaschen;
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M 2: Fotografie der Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen Alters, abgebildet in der Frontalperspektive, langer Zug der ihr Gepäck tragenden Jüdinnen und Juden am helllichten Tag mitten durch die Stadt, flankiert von Soldaten und beobachtet von einzelnen Passanten.
Beurteilung der Eignung dieser Materialien zur Dokumentation der Wahrnehmung und der Beteiligung an der Verfolgung und systematischen Ermordung von Jüdinnen und Juden seitens der nichtjüdischen Bevölkerung in Deutschland, u. a.:
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einerseits Dokumentation von antijüdischen Gewaltmaßnahmen vor den Augen der Öffentlichkeit und damit ihrer gewollten Wahrnehmbarkeit für die nichtjüdische Bevölkerung in M 1 und M 2;
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kein erkennbarer Widerstand gegen die Verfolgung von Jüdinnen und Juden auf den Fotografien;
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sichtlich hohe Bereitschaft eines Teils der nichtjüdischen Bevölkerung zur eigenen Bereicherung auf Kosten der Verfolgten (vgl. M 1) und damit zumindest indirekt Akzeptanz ihres Schicksals;
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andererseits keine Eignung der Fotografien zur Dokumentation der jeweiligen individuellen Gesinnung, der inneren Haltung oder des Kenntnisstands der nichtjüdischen Bevölkerung hinsichtlich der Dimension des Verfolgungsgeschehens;
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beschränkte Aussagekraft der Fotografien als Momentaufnahmen mit teils offizieller Perspektive.
Mit der friedlichen Revolution 1989 endete die SED-Diktatur in der DDR. In seinen drei Jahre später erschienenen Erinnerungen (M 3) ging der langjährige Generalsekretär der SED, Erich Honecker, auf das Scheitern der DDR ein.
Herausarbeiten der von Erich Honecker in M 3 angeführten Gründe für das Ende der DDR und Stellungnahme dazu:
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Ende des Sozialismus durch Fehler der SED sowie persönliche Fehler Honeckers:
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persönliche Fehleinschätzung der Unzufriedenheit in Partei und Bevölkerung hinsichtlich „mangelnde[r] innerparteiliche[r] Demokratie“ (Z. 16) und mangelnder Transparenz etwa bezüglich ökonomischer Probleme, Versorgungsengpässe und politischer Reformen,
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Versäumnis einer zeitgemäßen staatlichen „Medienpolitik“ (Z. 20) zur Gewährleistung des Machterhalts der SED,
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rigide, der Bevölkerung kaum vermittelbare Vorgehensweise bei der Gewährung von Reiseerleichterungen;
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zu späte Reaktion der sozialistischen Staaten auf den technologischen Vorsprung „in einigen wenigen fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern“ (Z. 29 f.);
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Reisebeschränkungen und Mängel in der Warenversorgung als politisch eminent wichtige Themen für große Teile einer dem Konsumdenken gegenüber aufgeschlossenen Bevölkerung;
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Zusammenbruch des Sozialismus in Europa auch aufgrund einer „Vielzahl objektiver und subjektiver Faktoren, internationaler und nationaler“ (Z. 44 f.).
Stellungnahme zu den von Honecker angeführten Gründen für das Ende der DDR, v. a.:
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einerseits Auswahl von teils treffenden Ursachen für das Scheitern der DDR, etwa der persönlichen Fehleinschätzung der Unzufriedenheit in der Bevölkerung;
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andererseits Relativierung der persönlichen und parteipolitischen Verantwortung für das Ende der DDR durch Einbezug einer Vielzahl von vage bleibenden weiteren Faktoren;
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durchgehendes Bemühen um historische Rechtfertigung des eigenen politischen Handelns;
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Ausblenden zahlreicher entscheidender Ursachen für das Ende der DDR, darunter v. a. die Bedeutung der Bürgerrechtsbewegung, aber auch die Unzufriedenheit mit dem repressiven, diktatorischen System (Umgang mit Oppositionellen, „Stasi“) und den fehlenden Bürgerrechten.
Darstellung der Aufarbeitung der SED-Diktatur als innenpolitische Herausforderung im wiedervereinigten Deutschland auch unter Bezugnahme auf die Ergebnisse aus 3.1, z. B.:
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Notwendigkeit der Aufarbeitung der schriftlichen Stasi-Dokumente in politischer, juristischer und historischer Hinsicht, dabei Klärung der Frage der Zugänglichkeit zum Aktenmaterial der „Stasi“ durch die Einrichtung des Amtes eines Bundesbeauftragten für die „Stasi“-Unterlagen;
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Problematik des juristischen wie gesellschaftlichen Umgangs mit Amts- und Funktionsträgern, IM der früheren DDR und deren unterschiedlichen Perspektiven (vgl. Aufgabe 3.1);
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Herausforderung hinsichtlich des Umgangs mit Vermögenswerten von Parteien und Massenorganisationen der DDR;
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mit wachsender zeitlicher Distanz und angesichts ambivalenter Gegenwartserfahrungen zunehmende Kluft zwischen verklärenden, „ostalgischen“ Perspektiven auf die SED-Diktatur und anderen, kritischeren Einschätzungen;
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Frage der Entschädigung der Opfer der SED-Diktatur;
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Förderung der Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR u. a. durch die Einrichtung von Gedenkstätten, z. B. in ehemaligen „Stasi“-Gefängnissen wie Hohenschönhausen in Berlin.