IV
Historische Grundlagen moderner politischer Ordnungsformen und Identifikationsmuster in Europa
Prüfungsteil A
Erläutere ausgehend von M 1 die Merkmale der attischen Demokratie!
In der Zeit der Aufklärung entwickelten sich das Menschenbild sowie das politische Denken in Europa entscheidend weiter.
Arbeite aus den Vorstellungen von Olympe de Gouges (M 2) charakteristische Gedanken der Aufklärung heraus!
Beurteile, inwieweit die beiden Texte M 1 und M 2 als Grundlagen einer modernen Demokratie verstanden werden können!
Anlässlich des Europatags konzipiert dein Geschichtskurs eine Ausstellung zum Thema „Von nationalistischer Konfrontation zur europäischen Integration“. Du beschäftigst dich mit den Nationsvorstellungen in Deutschland und Frankreich. Im Zuge deiner Recherche stößt du auf einen französischen Gedenkteller an die Revolution von 1789 (M 3) und auf einen deutschen Liedtext aus dem Jahr 1792 (M 4).
Verfasse einen Informationstext für diese Ausstellung, in dem du unter Einbezug der beiden Quellen M 3 und M 4 die jeweiligen Nationsvorstellungen in Deutschland und Frankreich um 1800 darstellst!
Prüfungsteil B
Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 12/1 oder 12/2 oder 13/1 (S. 19).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Auszug aus der sogenannten „Gefallenenrede“ des Perikles
Der aus Athen stammende Stratege und Historiker Thukydides (ca. 454–ca. 396 v. Chr) beschrieb in seinem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ die Auseinandersetzungen zwischen dem attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund (431–404 v. Chr.) Dort legt er dem athenischen Staatsmann Perikles eine Rede in den Mund, die dieser am Ende des ersten Kriegsjahres um 431 v. Chr. zu Ehren der Gefallenen gehalten haben soll. Diese „Gefallenenrede“ gehört zu den wichtigsten Quellen über die Attische Demokratie.
Quelle: Thukydides: Der Peloponesische Krieg. Übersetzt und herausgegeben von Helmuth Vretska und Werner Rinner, Stuttgart 2000, S. 138–141.
Material 2: Auszüge aus der „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ von Olympe de Gouges
Olympe de Gouges (1748–1793) war eine französische Revolutionärin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. 1791 verfasste sie die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ als Reaktion auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im August 1789: Diese sollten nur für „mündige Bürger“ gelten und damit im zeitgenössischen Verständnis nur für Männer. Olympe de Gouges wollte ihre Überlegungen der französischen Nationalversammlung zur Verabschiedung vorlegen.
Quelle: Die Rechte der Frau (aus dem Französischen von Gisela Bock). Veröffentlicht im Rahmen des Themenschwerpunkts „Europäische Geschichte – Geschlechtergeschichte“, in: Themenportal Europäische Geschichte, 2009, www.europa.clio-online.de/quelle/id/q63-28390
Material 3: Französischer Motivteller aus Anlass des 100jährigen Jahrestages der Revolution von 1789

Quelle: „Ruellan Auction“ – Hôtel des ventes de Vannes, https://www.svvruellan.com/details-lot/quimper-assiette-en-faience-emaillee-polychrome-a-812-625016665/ (Stand: 29. Juni 2023).
Anmerkung:
Die Überschrift „Vive la nation“ bedeutet „Es lebe die Nation“.
Material 4: Auszug aus einem Volkslied von Konrad Pfeffel (1792)
Text: G. Konrad Pfeffel, Musik: Christian Friedrich Gottlieb Schwenke, veröffentlicht im Vossischen Musenalmanach 1792, S. 72–75, abrufbar unter https://www.volksliederarchiv.de/wer-ist-ein-freier-mann-der-freie-mann/ (Stand: 29. Juni 2023).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweis: Die folgenden Lösungen wurden in Stichpunkten verfasst. Zur vollständigen Umsetzung der Aufgabenstellung wäre grundsätzlich eine zusammenhängende Darstellung in Fließtextform erforderlich. Darüber hinaus sind individuell unterschiedliche, fachlich begründete Lösungsansätze möglich.
Merkmale der attischen Demokratie ausgehend von M 1, u. a.:
-
Grundlage der Staatsform: Mehrheit des Volks, daher Bezeichnung „Demokratie“ im Sinne von „Volksherrschaft“ (vgl. M 1);
-
Rechtsgleichheit der Bürger vor den Gesetzen, Stellung des Einzelnen nach Leistung, nicht nach sozialer Zugehörigkeit oder Vermögen (vgl. M 1);
-
Freiheit der Bürger bei gleichzeitiger Verpflichtung zu Treue und Gehorsam gegenüber der Gemeinschaft und dementsprechend Verpflichtung zum verantwortungsvollen Gebrauch von Vermögen (vgl. M 1);
-
keine Stigmatisierung von Armen, aber Verpflichtung des Einzelnen zur Verbesserung seiner Lage im Sinn des Gemeinwohls (vgl. M 1);
-
Erwartung der Beteiligung der Bürger an politischen Fragen und der Staatsführung (vgl. M 1);
-
Darstellung der Polis Athen als „Schule von Hellas“ (M 1, Z. 30).
Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler auch auf folgende Merkmale eingehen, u. a.:
-
exklusive Demokratie ohne politische Beteiligung für Frauen, Metöken und Sklaven;
-
zentrale Institutionen und Ämter wie Volksversammlung, Rat der 400, Volksgerichtshof und Areopag.
In der Zeit der Aufklärung entwickelten sich das Menschenbild sowie das politische Denken in Europa entscheidend weiter.
Herausarbeiten charakteristischer Gedanken der Aufklärung aus M 2:
-
entsprechend dem neuem Menschenbild Forderung nach Gleichheit und Freiheit auch von Frauen;
-
Recht auf Eigentum;
-
Recht auf Widerstand infolge der Erfahrung von Unterdrückung;
-
Forderung nach Gewährleistung und Schutz der Menschenrechte durch den Staat;
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Vernunft als Grundlage von Gesetzen;
-
Recht auf freie öffentliche Meinungsäußerung auch von Frauen;
-
Rechenschaftspflicht von Amtsinhabern auch gegenüber Frauen.
Beurteilung, inwieweit M 1 und M 2 als Grundlagen einer modernen Demokratie verstanden werden können, z. B.:
M 1, z. B.:
-
einerseits Demokratie als Herrschaft des Volks und damit der Gemeinschaft freier und mündiger Bürger;
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Entscheidungsfindung auf Grundlage der Mehrheit;
-
Rechtsgleichheit aller Bürger, aktive Mitgestaltung des politischen Lebens durch möglichst alle Bürger;
-
andererseits Ausschluss von Frauen, Metöken und Sklaven;
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keine Gewaltenteilung.
M 2, z. B.:
-
einerseits Schutz der Menschenrechte als Grundlage staatlichen Handelns;
-
grundsätzliche Freiheit des Individuums;
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Gleichberechtigung von Männern und Frauen;
-
Ämter und Funktionen als Aufgabe im Dienst des Volkes mit Verpflichtung zur Rechenschaft;
-
andererseits kein Eingehen auf konkrete Funktionsweisen der Demokratie.
Darstellung der unterschiedlichen Nationsvorstellungen in Deutschland und Frankreich um 1800 unter Einbezug von M 3 und M 4:
-
moderne Nationsvorstellung seit der Französischen Revolution, v. a.:
-
Nation als Konstrukt einer politischen Willensgemeinschaft (vgl. Ausruf „Vive la Nation!“ in M 3 in Verbindung mit dem Revolutionsjahr),
-
Vorrang des Territorialprinzips bei einheitlichem Staatsgebiet gegenüber dem Sprachprinzip,
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Identifikation der Bürger mit dem Staat („Verfassungspatriotismus“),
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antiständische Integrationsideologie: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit der Nation anstelle einer Ständehierarchie (vgl. Abbildung von Adel, Klerus und Bürgertum als gleichberechtigte, in der französischen Nation vereinte Stände in M 3; Betonung der Freiheit als Freiheit von adeliger Willkür in M 4);
-
-
Vorstellung von einem Staatsvolk als Abstammungsgemeinschaft mit gemeinsamer Kultur, Sprache und Geschichte („Kulturnation“), getragen auch vom wachsenden Selbstbewusstsein des Bürgertums (vgl. Heraushebung des „Bürgers“ in M 4).