III
Akteure internationaler Politik in historischer Perspektive
Prüfungsteil A
Über die Staatsgründung Israels schreibt der Historiker Michael Brenner in einem 2016 erschienenen Buch: „Traum und Trauma begegneten sich hier in besonderer Weise.“ Beide Begriffe bezieht Brenner auf die jüdische Perspektive zum Zeitpunkt der Staatsgründung.
Beschreibe unter Bezugnahme auf diese Aussage die Vorgeschichte und den Kontext der israelischen Staatsgründung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts!
Im Juni 2009 hielt der damalige US-Präsident Barack Obama in Kairo eine Grundsatzrede an die islamische Welt (M 1). Die Rede trug im Original den Titel „A New Beginning“.
Stelle auch mithilfe von M 1 und geeignetem Kartenmaterial im Historischen Atlas zentrale Konfliktthemen in den israelisch-palästinensischen Beziehungen seit 1948 dar!
Arbeite aus M 1 die Grundlinien für eine Lösung des Nahostkonflikts heraus, die Obama darlegt, und bewerte diese differenziert!
Vergleiche ausgehend von einer Analyse von M 2 und M 3 das weltpolitische Agieren der Großmächte USA, Russland und China im Rahmen der UNO in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts!
Prüfungsteil B
Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 12/1 oder 12/2 oder 13/2.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Auszug aus der am 4. Juni 2009 in Kairo gehaltenen Grundsatzrede des US-Präsidenten Barack Obama
Quelle: Rede von US-Präsident Barack Obama vom 4. Juni 2009 in Kairo. Abrufbar unter https://de.usembassy.gov/de/ein-neuanfang/?_ga=2.196926444.1930832914.1586696338-1995884191.1586348515 (Stand: 27. Juni 2023). Übersetzung.
Material 2: Anzahl der Vetos der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen von 1971 bis 2020

Quelle: eigene Darstellung unter Verwendung der Daten von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/322711/umfrage/vetos-der-staendigen-mitglieder-des-sicherheitsrates-der-vereinten-nationen/ (Stand: 02. Januar 2026).
Material 3: „Frostige Zeiten“, Karikatur von Paolo Calleri (2012)
Seit 2011 entwickelte sich in Syrien aus Protesten gegen die Herrschaft von Präsident Assad ein Bürgerkrieg mit vielen Akteuren. Dabei kam es zu massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung.

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweis: Die folgenden Lösungen wurden in Stichpunkten verfasst. Zur vollständigen Umsetzung der Aufgabenstellung wäre grundsätzlich eine zusammenhängende Darstellung in Fließtextform erforderlich. Darüber hinaus sind individuell unterschiedliche, fachlich begründete Lösungsansätze möglich.
Erläuterung der Vorgeschichte und des Kontexts der israelischen Staatsgründung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Bezugnahme auf die Aussage Michael Brenners, u. a.:
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wachsender Antisemitismus in Europa;
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Verbreitung des Zionismus mit der Vision eines jüdischen Nationalstaats in Palästina;
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zunehmende jüdische Einwanderung und Aufbau vorstaatlicher Strukturen in Palästina;
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teils Unterstützung durch internationale Mächte (z. B. Balfour-Erklärung), zunehmende Auseinandersetzungen zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung Palästinas;
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Entrechtung, Verfolgung und systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden in der Shoa als prägende Erfahrung;
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vor diesem Hintergrund Zustimmung der Mehrheit der Staatenwelt zu einer Zwei-Staaten-Lösung in einer UN-Resolution als einem nur von jüdischer Seite akzeptierten Kompromiss;
-
Staatsgründung 1948 und Beginn des Unabhängigkeitskriegs gegen die Nachbarstaaten.
Im Juni 2009 hielt der damalige US-Präsident Barack Obama in Kairo eine Grundsatzrede an die islamische Welt (M 1). Die Rede trug im Original den Titel „A New Beginning“.
Darstellung zentraler Konfliktthemen in den israelisch-palästinensischen Beziehungen seit 1948 unter Bezugnahme auf M 1 und auf geeignetes Kartenmaterial im Historischen Atlas, z. B.:
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Infragestellung des Existenzrechts des Staates Israel v. a. durch arabische Nachbarstaaten als Ursache mehrerer Kriege;
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Schicksal palästinensischer Flüchtlinge (sogenannte „Flüchtlingsfrage“) im Zuge der Nahostkriege, insbesondere strittige Frage eines Rückkehrrechts (vgl. v. a. M 1 und die Karte „Juden und Araber in Palästina 1923 bis heute“);
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Konflikt um palästinensische Autonomie und Grenzziehung eines möglichen palästinensischen Staates (vgl. „Der Nahe Osten seit 1973“, „Israel und Palästina seit 1991“, „Das Westjordanland seit 1993“);
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Auseinandersetzung um die Rechtmäßigkeit israelischen Siedlungsbaus in den von Israel seit 1967 besetzten Gebieten (Gaza, Westjordanland; vgl. M 1 sowie z. B. die Karte „Juden und Araber in Palästina 1923 bis heute“);
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Status und Zugehörigkeit von Jerusalem (vgl. „Jerusalem von 1949 bis heute“);
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gerechte Verteilung der knappen Wasserressourcen;
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Problematik von Terror und Extremismus (z. B. Intifada, Raketenangriffe der Hamas; vgl. M 1 und die Karte „Israel und Palästina von 1991 bis heute“).
Herausarbeiten der Grundlinien für eine Lösung des Nahostkonflikts in M 1 und deren differenzierte Bewertung:
Grundlinien für eine Lösung des Nahostkonflikts in M 1:
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Zwei-Staaten-Lösung als „einzige Lösung“ (Z. 29);
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Versuch einer Reaktivierung der Road Map;
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Appell an die Palästinenser, insbesondere die Hamas, zum Gewaltverzicht sowie zur Anerkennung bestehender Abkommen und des Existenzrechts Israels;
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Aufforderung an die Palästinenserbehörde zur Entwicklung eines funktions- und leistungsfähigen Staats- und Verwaltungsapparats;
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Ende des illegitimen Siedlungsbaus Israels im Westjordanland sowie Anerkennung eines palästinensischen Staates durch Israel;
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Appell an Israel zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland.
Die differenzierte Bewertung der Vorschläge Obamas für eine Lösung des Nahostkonflikts lässt einen individuellen Interpretationsspielraum zu. Dabei können folgende Aspekte thematisiert werden, z. B.:
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Aufgreifen der Zwei-Staaten-Lösung als eines international anerkannten Lösungsansatzes zum Nahostkonflikt;
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ausgewogene Einbeziehung der Perspektive beider Konfliktparteien in der Rede, demgemäß auch Bemühen um gerechte Anforderungen an beide Parteien;
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Aufzeigen einer Vermittlerrolle der USA;
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Einbezug von Staaten der Region zur Unterstützung des Friedensprozesses;
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in Anbetracht des bloßen Appellcharakters der Rede geringe Konkretheit der Lösungsansätze (z. B. zum Status von Jerusalem) und Fehlen von Durchsetzungsmechanismen;
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Frage der Kompromissbereitschaft der Akteure des Konflikts, auch vor dem Hintergrund des Scheiterns vergangener Lösungsversuche.
Vergleich des weltpolitischen Agierens der Großmächte USA, Russland und China im Rahmen der UNO in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts, ausgehend von einer Analyse der Materialien:
Analyse von M 2:
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Grafik zur Anzahl der Vetos der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen von 1946 bis 2022;
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nach nur geringer Gesamtzahl der Vetos in der relativ konfliktarmen Phase nach dem Ende des Kalten Kriegs in der ersten Dekade des 21. Jh. wieder Zunahme der US-amerikanischen Vetos, allerdings in viel geringerer Zahl als in den 1970er oder 1980er Jahren;
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in der zweiten Dekade des 21. Jh. auffallende Steigerung der Vetos Russlands (von 4 auf 21) und Chinas (von 2 auf 11);
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Indiz für Rückkehr Russlands als weltpolitischer Akteur zu Beginn des 21. Jh.;
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Verdeutlichung des zunehmenden weltpolitischen Agierens Chinas seit 2011.
Analyse von M 3:
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Versuch eines kleinen Räumfahrzeugs samt Anhänger mit der Aufschrift „UN-Resolution“, in winterlicher Landschaft einen Weg zur Räumung eines Kriegsgebiets (Wegweiser „Syrien“, Rauchsäulen) freizuräumen;
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zum Ärger der Fahrzeugbesatzung Blockade des Wegs durch zwei überdimensionale, China und Russland verkörpernde Schneemänner (vgl. Aufschrift „Veto“);
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Kritik des Zeichners an der Verhinderung von UN-Hilfen für Syrien durch Veto Russlands und Chinas im UN-Sicherheitsrat.
Gemeinsamkeiten des weltpolitischen Agierens der Großmächte, z. B.:
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interessengeleitete Großmachtpolitik;
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Nutzung des Vetorechts im UN-Sicherheitsrat zur Unterstützung von verbündeten Staaten, im Falle Russlands z. B. Syriens;
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ausgeprägte finanzielle und personelle Unterstützung von UN-Friedensmissionen z. B. in Afrika durch China und die USA.
Unterschiede des weltpolitischen Agierens der Großmächte, z. B.:
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USA: geringerer Einsatz des blockierenden Vetorechts (vgl. M 2), Eintreten für die seit 1945 im Rahmen der UNO geschaffene globale Ordnung, Selbstverständnis als Vorkämpfer der westlich-freiheitlichen Werte, Kampf gegen internationalen Terrorismus, Interventionen in Konfliktregionen auch ohne UN-Auftrag;
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Russland: Bereitschaft auch zu militärischen Aktionen zur Durchsetzung eigener Machtinteressen, Nutzung des Vetorechts als flankierende Maßnahme bei der Unterstützung des diktatorischen Regimes in Syrien, geringes Engagement in UN-Missionen;
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China: zunehmend offensive Verfolgung globaler wirtschaftlicher und geostrategischer Interessen auch im Rahmen der UNO, aber sehr zurückhaltendes militärisches Agieren, Unterdrückung des Kampfs gegen Menschenrechtsverstöße auch durch Einflussnahme im Rahmen von UN-Organisationen, Enthaltungen bzw. im Vergleich zu Russland zurückhaltender Einsatz des Vetorechts.