Lerninhalte
Inhaltsverzeichnis

II

Deutschland zwischen Demokratie und Diktatur

Prüfungsteil A

1

Erläutere den Abbau der Demokratie in der Endphase der Weimarer Republik!

16 BE

2

Während des Zweiten Weltkriegs mündeten die antijüdischen Gewaltmaßnahmen des NS-Regimes in die systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden.

Analysiere die Bildquelle M 1 und nimm auch unter Bezugnahme auf geeignetes Kartenmaterial aus dem Historischen Atlas Stellung, inwieweit sich M 1 dazu eignet, die Systematik und Dimension des Völkermords an den europäischen Jüdinnen und Juden im Kontext des Zweiten Weltkriegs zu zeigen!

34 BE

3

Rund ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der NS-Diktatur erinnerten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR an die Revolution von 1848/49 als zentrales Ereignis deutscher Demokratiegeschichte.

3.1

Vergleiche die Rede des SED-Politikers Albert Norden (M 2) mit der Ansprache von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (M 3) im Hinblick darauf, welche Aspekte der Revolution von 1848/49 hervorgehoben werden!

3.2

Beurteile ausgehend von deinen Ergebnissen aus 3.1, wie sich in der Erinnerung an die Revolution von 1848/49 das Selbstverständnis der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zeigte!

30 BE

Prüfungsteil B

4

Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 13/1 oder 13/2.

40 BE

120 BE

Material 1: Fotografie der Deportation von Bewohnern des Warschauer Ghettos, Mai 1943

Da das Warschauer Ghetto im Jahr 1942 mittels zahlreicher Deportationen von Jüdinnen und Juden ins Vernichtungslager Treblinka aufgelöst werden sollte, begannen jüdische Widerstandsorganisationen am 19. April 1943 einen Aufstand gegen die SS-Truppen. Jürgen Stroop, SS- und Polizeiführer von Warschau, war mit der Niederschlagung des Aufstands beauftragt. In einem Bericht dokumentierte er – auch mit Fotografien – das Vorgehen der SS. Im Zuge des Warschauer Aufstands wurden mehr als 56 000 Jüdinnen und Juden ermordet oder in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

Diese Fotografie war Teil des sogenannten „Stroop-Berichts“. Der Originaltext lautet „Mit Gewalt aus Bunkern hervorgeholt“.

Der kleine Junge mit erhobenen Armen, Zvi Nussbaum, überlebte die Shoa.

Schwarzweißfoto: Gruppe von Zivilisten mit erhobenen Händen vor bewaffneten SoldatenSchwarzweißfoto: Gruppe von Zivilisten mit erhobenen Händen vor bewaffneten Soldaten

(Franz Konrad confessed to taking some of the photographs, the rest was probably taken by photographers from Propaganda Kompanie nr 689.[1][2]) Jürgen Stroop Possibly Franz Konrad, Stroop Report - Warsaw Ghetto Uprising 06, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Material 2: Auszug aus der Rede des Mitglieds des Politbüros des Zentralkomitees der SED, Albert Norden, zum 125. Jahrestag der Revolution von 1848/49, erschienen in der Zeitung „Neues Deutschland“ am 20. März 1973

1
Nach 125 Jahren begehen wir den Jahrestag der Revolution als Sieger, die für immer die Herrschaft
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der Ausbeuterklassen beendet haben. Berlin, wo preußische Könige und deutsche Kaiser residier-
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ten, ist heute die Hauptstadt der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik.
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In den Revolutionen von 1848/49 verband sich zum erstenmal in der Geschichte der Kampf für bür-
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gerlich-demokratische Verhältnisse mit dem Emanzipationskampf der Arbeiterklasse. Die DDR hat
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nicht nur die demokratischen Ziele der Revolution in die Tat umgesetzt, sondern erfüllt mit der Ge-
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staltung der sozialistischen Gesellschaft die historische Mission der Arbeiterklasse.
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1848/49 erhoben sich das noch junge Proletariat, Bauern, Handwerker, Studenten und fortschrittli-
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che Bürger für die Volkssouveränität. In der sozialistischen Revolution haben sich die in der Natio-
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nalen Front zusammengeschlossenen Werktätigen der DDR unter der Führung der Arbeiterklasse
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zum Souverän gemacht und schaffen die politisch-moralische Einheit des Volkes. [...]
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Wir, die siegreiche Arbeiterklasse und die mit ihr in der Nationalen Front der Deutschen Demokrati-
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schen Republik vereinten Kräfte, sind die Erben der revolutionären Traditionen des deutschen Vol-
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kes. Wir, die Zeitgenossen und Mitgestalter der größten Umwälzung auf deutschem Boden, beken-
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nen uns zu den Taten der Revolutionäre von 1848 in den deutschen wie auch in den anderen euro-
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päischen Ländern. Das Gedenken an die damaligen Kämpfe und Kämpfer, das Handeln in ihrem
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Geist, zeichnet die Bürger unseres sozialistischen Staates aus. [...]
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In der Revolution von 1848/49 erhob das deutsche Volk das Banner des Kampfes für eine einige,
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unteilbare, demokratische Republik, gegen die feudaldynastische Zersplitterung. An die Stelle von
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34 „Landesvätern" sollte ein wahres Vaterland des Volkes treten. Eine demokratische Republik, das
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wäre der beste Boden für den sozialen Fortschritt und für den Emanzipationskampf der Arbeiter-
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klasse gewesen. [...]
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Über ein Jahrhundert lang blieben diese Forderungen unerfüllt — in dem mit Blut und Eisen errichte-
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ten Kaiserreich wie in der Weimarer Republik, im Faschismus, dieser Ausgeburt und mörderischen
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Variante des Imperialismus, wie in der imperialistischen BRD. 1945, nach dem Sieg der Sowjetunion
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und ihrer Verbündeten über den deutschen Faschismus, hatte die Arbeiterklasse die historische
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Chance, auch das Programm von 1848 zu verwirklichen. Und wir haben sie genutzt! [...]
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Geradeso, wie es im „Manifest der Kommunistischen Partei“ vom Februar 1848 postuliert wurde, hat
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sich die Arbeiterklasse der DDR mit der Eroberung der politischen Macht „als Nation konstituiert".
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Sie hat mit ihren Verbündeten den sozialistischen Nationalstaat DDR geschaffen. Die historische
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Entwicklung hat dazu geführt, daß bei uns in der Deutschen Demokratischen Republik die sozialis-
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tische Nation aufblüht, während in der BRD die kapitalistische Nation und in dieser der unversöhnli-
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che Klassenwiderspruch zwischen der Bourgeoisie und den werktätigen Massen fortbesteht. Zwi-
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schen der sozialistischen Nation in der DDR und der kapitalistischen Nation in der BRD hat sich, das
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anerkennt die Welt, die historische Tendenz der Abgrenzung durchgesetzt: Die eine ist ein fester
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Bestandteil der Gemeinschaft der sich einander annähernden sozialistischen Nationen, die andere
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ist eingegliedert in die von Widersprüchen zerrissenen aggressiven imperialistischen Blöcke. Die
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Wesenszüge der einen werden geprägt von der herrschenden Arbeiterklasse, die Geschicke der
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anderen werden noch bestimmt von den Interessen des Monopolkapitals. Von Annäherung oder
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„besonderen Beziehungen" zwischen der DDR und der BRD oder gar von einer imaginären, von den
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herrschenden Mächten der BRD propagierten „Einheit der Nation" kann überhaupt keine Rede sein.
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„Einheit der Nation" — um den Ausbeutungsbereich des deutschen Finanzkapitals und des Groß-
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grundbesitzes zu vergrößern, „Einheit“ im Zeichen der Unterordnung der Werktätigen unter das Ka-
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pital, sogenannte „besondere Beziehungen" zur antisozialistischen Unterwühlung der DDR und als
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Kampfansage gegen die wahrhafte Einheit der Völker im Sozialismus – das ist heute der Geist, in
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dem das offizielle Bonn die Traditionen der Revolution von 1848/49 verfälscht.

Quelle: Neues Deutschland vom 20. März 1973, S. 4 f.

Material 3: Auszug aus der Rede von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (SPD) im Deutschen Bundestag anlässlich des 125. Jahrestags des Zusammentretens der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, 18. Mai 1973

1
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der 18. Mai ist ein denkwürdiger Tag der deutschen Ge-
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schichte. Vor 125 Jahren trat in der Frankfurter Paulskirche die deutsche Nationalversammlung zu-
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sammen. Es war die erste aus freien Wahlen hervorgegangene parlamentarische Versammlung der
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deutschen Nation. [...]
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Wir sehen im 18. Mai einen historischen Bezugspunkt, der für den eigenen Standort dieses Parla-
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ments unerläßlich ist. Dabei wissen wir, daß sich die Geschichte nicht wiederholt, daß ihre Lektionen
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auslegungsfähig und ihre Wahrheiten umstritten sind. Aber nicht das ist es, worauf es ankommt. Es
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kommt an auf das Geschichtsbewußtsein schlechthin, aus dem die Völker den Glauben und die
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handelnden Politiker ihre Kraft schöpfen. [...]
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Die Katastrophe des totalen Zusammenbruchs von 1945, das Fehlen jeglicher staatlichen Autorität,
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die bedingte Souveränität der neuen Staatsorgane, die ungewisse Zukunft des Volkes und die nati-
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onale Not der Spaltung, verstärkt durch eine schier erdrückende moralische Last, haben die Neigung
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gefördert, der Geschichte zu entfliehen. Um so größer ist die Bewährung eines Parlaments wie des
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unseren gewesen, das sich als freie Vertretung des deutschen Volkes mit gebotenem Ernst, mit
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Sachlichkeit und Nüchternheit, aber auch mit Leidenschaft den drängenden Aufgaben stellte.
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Im Gedenken an die Paulskirche bieten sich Vergleiche an, zwingt sich manche Parallele auf, bis
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hin zum Spott über den Idealismus und Optimismus, mit dem die Mitglieder jener Versammlung
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später überschüttet wurden. Aber so wenig sich Unvergleichbares vergleichen läßt, so wenig wäre
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es auch angebracht, geschichtliche Erinnerung hier generell zum Gegenstand des Gedenkens zu
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machen. Nur darauf kann es uns ankommen, daß sich dieses Parlament in die Kontinuität des deut-
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schen Parlamentarismus und der demokratischen Tradition stellt, daß der Bundestag als Volksver-
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tretung unserer Tage das Band zu Vorläufern und Vorgängern knüpft. [...]
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Von unserem Staat läßt sich sagen, daß er nicht wäre, was er ist, hätte er in unvertretbarer Selbst-
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bescheidung von vornherein vor Faktoren kapituliert, die zu bezwingen immerhin möglich erschei-
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nen mußte. So war es keine Fiktion, die Wiedervereinigung zu erstreben, und so ist es keine Illusion,
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daß sich das Selbstbestimmungsrecht in Deutschland verwirklichen ließe.
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Wenn auch das Ziel, der deutschen Nation eine politische Gestalt zu geben, von der Nationalver-
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sammlung von 1848 nicht erreicht wurde, so erhielt sie doch einen bis in unsere Zeit weiterwirkenden
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Ruhm gerade wegen jener Leistung, der Vorrang gegeben zu haben ihr immer wieder als ein kardi-
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naler Fehler vorgeworfen wurde: ich meine den sogenannten Katalog der Grundrechte. Die Men-
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schen- und Bürgerrechte, wie sie zum ersten Mal in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
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und dann in der Französischen Revolution formuliert wurden, waren auch für die Verfassungge-
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bende Versammlung der Paulskirche eines der großen Ziele ihrer Bemühungen.
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Mit der Formulierung der Grund- und Freiheitsrechte hat sich der Liberalismus der Paulskirche ein
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bleibendes Denkmal gesetzt. Die Grundrechte wurden zur klassischen Formulierung der Freiheits-
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wünsche der deutschen demokratischen Parteien, die in der Folgezeit dafür sorgten, daß sie nicht
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nur Programm blieben, sondern nach und nach ihre Verwirklichung im Ausbau eines deutschen
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Rechtsstaates fanden. Gerade auch die sich damals erst punktuell formierende Arbeiterbewegung
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wurde in den Jahrzehnten ihres politischen Aufstiegs zur entschiedenen Verfechterin des Gedan-
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kens unveräußerlicher und unverzichtbarer Grund- und Freiheitsrechte.
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Wer die Grundrechte des Grundgesetzes mit dem Grundrechtskatalog von 1848 vergleicht, wird
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erkennen, in welchem Maße Einsichten und Formulierungen der damaligen Zeit ihre Gültigkeit be-
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halten haben. […]
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Der freiheitlichen Gesinnung dieser Männer der Paulskirche, dem Opfermut und der Hingabe, auf
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parlamentarischem Wege die Lösung großer politischer Aufgaben zu versuchen, sollte unser Volk
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trotz des Scheiterns dieses Versuchs, Deutschland staatlich zu einigen und ihm eine freiheitliche
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Verfassung zu geben, stets ein ehrendes Andenken bewahren.
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(Lebhafter Beifall.)

Quelle: https://dserver.bundestag.de/btp/07/07034.pdf (Stand: 16. November 2022)

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