II
Deutschland zwischen Demokratie und Diktatur
Prüfungsteil A
Erläutere den Abbau der Demokratie in der Endphase der Weimarer Republik!
Während des Zweiten Weltkriegs mündeten die antijüdischen Gewaltmaßnahmen des NS-Regimes in die systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden.
Analysiere die Bildquelle M 1 und nimm auch unter Bezugnahme auf geeignetes Kartenmaterial aus dem Historischen Atlas Stellung, inwieweit sich M 1 dazu eignet, die Systematik und Dimension des Völkermords an den europäischen Jüdinnen und Juden im Kontext des Zweiten Weltkriegs zu zeigen!
Rund ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der NS-Diktatur erinnerten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR an die Revolution von 1848/49 als zentrales Ereignis deutscher Demokratiegeschichte.
Vergleiche die Rede des SED-Politikers Albert Norden (M 2) mit der Ansprache von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (M 3) im Hinblick darauf, welche Aspekte der Revolution von 1848/49 hervorgehoben werden!
Beurteile ausgehend von deinen Ergebnissen aus 3.1, wie sich in der Erinnerung an die Revolution von 1848/49 das Selbstverständnis der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zeigte!
Prüfungsteil B
Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 13/1 oder 13/2.
Material 1: Fotografie der Deportation von Bewohnern des Warschauer Ghettos, Mai 1943
Da das Warschauer Ghetto im Jahr 1942 mittels zahlreicher Deportationen von Jüdinnen und Juden ins Vernichtungslager Treblinka aufgelöst werden sollte, begannen jüdische Widerstandsorganisationen am 19. April 1943 einen Aufstand gegen die SS-Truppen. Jürgen Stroop, SS- und Polizeiführer von Warschau, war mit der Niederschlagung des Aufstands beauftragt. In einem Bericht dokumentierte er – auch mit Fotografien – das Vorgehen der SS. Im Zuge des Warschauer Aufstands wurden mehr als 56 000 Jüdinnen und Juden ermordet oder in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.
Diese Fotografie war Teil des sogenannten „Stroop-Berichts“. Der Originaltext lautet „Mit Gewalt aus Bunkern hervorgeholt“.
Der kleine Junge mit erhobenen Armen, Zvi Nussbaum, überlebte die Shoa.

(Franz Konrad confessed to taking some of the photographs, the rest was probably taken by photographers from Propaganda Kompanie nr 689.[1][2]) Jürgen Stroop Possibly Franz Konrad, Stroop Report - Warsaw Ghetto Uprising 06, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Material 2: Auszug aus der Rede des Mitglieds des Politbüros des Zentralkomitees der SED, Albert Norden, zum 125. Jahrestag der Revolution von 1848/49, erschienen in der Zeitung „Neues Deutschland“ am 20. März 1973
Quelle: Neues Deutschland vom 20. März 1973, S. 4 f.
Material 3: Auszug aus der Rede von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (SPD) im Deutschen Bundestag anlässlich des 125. Jahrestags des Zusammentretens der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, 18. Mai 1973
Quelle: https://dserver.bundestag.de/btp/07/07034.pdf (Stand: 16. November 2022)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweis: Die folgenden Lösungen wurden in Stichpunkten verfasst. Zur vollständigen Umsetzung der Aufgabenstellung wäre grundsätzlich eine zusammenhängende Darstellung in Fließtextform erforderlich. Darüber hinaus sind individuell unterschiedliche, fachlich begründete Lösungsansätze möglich. Bei einzelnen Aufgaben ist zudem die Arbeit mit geeignetem Kartenmaterial aus dem Historischen Atlas erforderlich.
Lösung 1
Erläuterung des Abbaus der Demokratie in der Endphase der Weimarer Republik, v. a.:
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zunehmendes Gefahrenpotenzial teilweise kooperierender antidemokratischer Kräfte für die Demokratie durch Eskalation von Hetze und Gewalt;
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im Zuge von Reichstagswahlen wachsende Bedeutung antiparlamentarischer Parteien, v. a. der NSDAP;
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Unfähigkeit der im Reichstag vertretenen Parteien zur Kompromissfindung nach dem Zerbrechen der Großen Koalition;
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gezielte Aushebelung des Reichstags durch die Kombination der Art. 25 und 48 der Weimarer Reichsverfassung und die Etablierung von allein dem Reichspräsidenten verantwortlichen Präsidialkabinetten;
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mangelndes Eintreten breiter Teile der Bevölkerung für die Demokratie;
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Übernahme der Regierungsverantwortung durch die NSDAP mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, legalistische Organisation einer Mehrheit aus NSDAP und DNVP im Reichstag.
Lösung 2
Analyse der Bildquelle M 1 und Stellungnahme, inwieweit sich M 1 dazu eignet, die Systematik und Dimension des Völkermords an den europäischen Jüdinnen und Juden im Kontext des Zweiten Weltkriegs zu zeigen:
Analyse der Bildquelle M 1: Fotografie des Abführens von Bewohnerinnen und Bewohnern des Warschauer Ghettos, darunter auch Kinder, teils verängstigt, mit erhobenen Händen, mitunter wenige Habseligkeiten mit sich führend, durch bewaffnete SS-Männer; Dokumentation der Räumung des Warschauer Ghettos aus Perspektive der Täter.
Stellungnahme auch unter Bezugnahme auf geeignetes Kartenmaterial aus dem Historischen Atlas, inwieweit sich M 1 dazu eignet, die Systematik und Dimension des Völkermords an den europäischen Jüdinnen und Juden im Kontext des Zweiten Weltkriegs zu zeigen:
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einerseits Dokumentation der Dimension nationalsozialistischer Gewaltverbrechen in M 1 über den Verweis auf die massenhafte Deportation der Bewohnerinnen und Bewohner des im von Deutschen Reich besetzten Polen befindlichen Warschauer Ghettos in Konzentrations- und Vernichtungslager (z. B. Treblinka) sowie ihre systematische Ermordung (vgl. Text zu M 1, Karte „Konzentrationslager und ihre Außenlager 1933 bis 1945“)
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andererseits in M 1 allenfalls Andeutung des dichten, vernetzten Systems von Konzentrations- und Außenlagern (mehrheitlich auf dem Gebiet des Deutschen Reichs) sowie von Ghettos und Vernichtungslagern (ausschließlich in den von Deutschland im Zuge des Zweiten Weltkriegs besetzten Territorien im Osten, vgl. Karte „Konzentrationslager und ihre Außenlager 1933 bis 1945“);
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in M 1 keine Verdeutlichung der Dimensionen der Deportation und systematischen Ermordung von Jüdinnen und Juden in allen von NS-Deutschland kontrollierten Gebieten Europas, sowohl in Konzentrations- und Vernichtungslagern als auch in Ghettos und im Zuge von Massenerschießungen, etwa von Jüdinnen und Juden in der Sowjetunion (vgl. Karte „Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden 1933 bis 1945“).
M 1 veranschaulicht exemplarisch das Ausmaß nationalsozialistischer Gewaltverbrechen an der jüdischen Bevölkerung Europas, bildet jedoch die Systematik der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik nicht in all ihren Dimensionen ab.
Lösung 3
Vergleich der Rede des SED-Politikers Albert Norden (M 2) mit der Ansprache von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (M 3) im Hinblick auf die jeweils hervorgehobenen Aspekte der Revolution von 1848/49:
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Deutung der Revolution als Kampf „für eine einige, unteilbare, demokratische Republik“ (M 2, Z. 18 f.) ebenso wie als „Emanzipationskampf der Arbeiterklasse“ (M 2, Z. 5), dabei Betonung des einheitlichen Eintretens für das Prinzip der Volkssouveränität in M 2;
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Akzentuierung der Bedeutung der deutschen Nationalversammlung als „erste aus freien Wahlen hervorgegangene parlamentarische Versammlung der deutschen Nation“ (M 3, Z. 3 f.), dabei Verabschiedung eines Grundrechtskatalogs als besonderer Erfolg trotz ihres Scheiterns beim Versuch der Schaffung nationaler Einheit auf der Basis einer liberalen Verfassung in M 3.
Es zeigt sich, dass Albert Norden die Revolution von 1848/49 durch die Hervorhebung der Errungenschaften der Arbeiterklasse in eine sozialistische Tradition einordnet, während für Annemarie Renger die Nationalversammlung sowie der von ihr beschlossene Grundrechtskatalog als integraler Bestandteil der Geschichte des deutschen Parlamentarismus und der Menschenrechte im Mittelpunkt stehen.
Beurteilung ausgehend von den Ergebnissen aus 3.1, wie sich in der Erinnerung an die Revolution von 1848/49 das Selbstverständnis der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zeigte:
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Selbstverständnis der DDR in der Erinnerung an die Revolution 1848/49:
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mit der Gründung eines sozialistischen Staats Propagierung des endgültigen Siegs im historischen Kampf der Arbeiterklasse,
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zugleich Parallelisierung von einheitlichem Eintreten für Volkssouveränität in der Revolution und der Nationalen Front der DDR (vgl. M 3),
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klare Abgrenzung der DDR als sozialistischer Nation von der „kapitalistischen Nation in der BRD“ (M 2, Z. 34), diametrale Charakterisierung der DDR als integriert in eine eng verbundene sozialistische Gemeinschaft und der Bundesrepublik Deutschland als Teil eines von Widersprüchen gekennzeichneten, zudem aggressiven imperialistischen Machtsystems;
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Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland in der Erinnerung an die Revolution 1848/49:
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mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland als parlamentarische Demokratie Weiterführung der Tradition der Paulskirche,
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zugleich klares Bekenntnis für Menschenrechte und die Wahrung der Grundrechte als Anknüpfen an die Errungenschaften der Paulskirche ebenso wie als Abgrenzung von der Zeit der NS-Diktatur.
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Die Erinnerung an die Revolution von 1848/49 spiegelt in beiden deutschen Staaten das jeweilige Selbstverständnis wider: Die DDR deutete sich als Vollendung des Kampfes für eine klassenlose Gesellschaft, während die Bundesrepublik Deutschland sich als Erbin der demokratisch-parlamentarischen Tradition und der Grund- und Menschenrechte verstand.