III
Akteure internationaler Politik in historischer Perspektive
Prüfungsteil A
In einer Rede vor dem US-amerikanischen Kongress sagte Präsident Harry S. Truman am 12. März 1947:
„Ich glaube, es muss die Politik der Vereinigten Staaten sein, freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen. Ich glaube, wir müssen allen freien Völkern helfen, damit sie ihre Geschicke auf ihre Weise selbst bestimmen können.“
Quelle: Manfred Görtemaker u. a.: Das Ende des Ost-West-Konflikts? Berlin 1990, S. 58.
Charakterisiere ausgehend von dem Zitat das weltpolitische Engagement der USA zwischen 1945 und 1991! Berücksichtige dabei auch das Agieren der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt!
1978 und 1985 wählte das US-amerikanische Time Magazine Deng Xiaoping zum „Man of the Year“. Dieser Titel wird von der Time-Redaktion seit 1927 jährlich an die Person verliehen, welche ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf das Weltgeschehen ausübt.
Der Wahlkurs „Politik und Zeitgeschichte“ an deiner Schule beschäftigt sich mit einflussreichen Persönlichkeiten der Weltgeschichte. In diesem Rahmen wird die damalige Entscheidung des Time Magazine für Deng Xiaoping zur Diskussion gestellt. Verfasse hierfür einen Beitrag.
Erläutere in deinem Beitrag ausgehend von M 1 Deng Xiaopings Konzept eines „Sozialismus chinesischer Prägung“ (Z. 78)! Nütze für deine Darstellung auch die Karte „Wirtschaftsentwicklung in China seit 1980“ im Historischen Atlas!
Bewerte dann unter Einbezug der Karikatur M 2 die Bedeutung Deng Xiaopings für die Entwicklung des modernen China!
Neben Deng Xiaoping war auch Michail Gorbatschow 1985 für die Auszeichnung „Man of the Year“ nominiert. Vergleiche seine Reformpolitik mit der Deng Xiaopings und beurteile seine weltpolitische Bedeutung!
Prüfungsteil B
Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 12/1 oder 12/2.
Material 1: Auszüge aus Reden des chinesischen Machthabers Deng Xiaoping (1992)
Am 29. März 1992 veröffentlichte das deutsche Politikmagazin „Der Spiegel“ Äußerungen des chinesischen Politikers Deng Xiaoping, der damals 87 Jahre alt war. Deng hatte kurz zuvor den Süden Chinas bereist. Die Reden, die Deng auf seiner Reise gehalten hatte, wurden in den chinesischen Medien nicht veröffentlicht. Nur ein „Zentrales Dokument Nr. 2/92“ informierte leitende Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas über die „Schwerpunkte“.
Quelle: DER SPIEGEL 14/1992 - https://www.spiegel.de/politik/reform-oder-untergang-a-6754f7b0-0002- 0001-0000-000013682701?context=issue (Stand: 3. August 2023).
Material 2: Karikatur „Deng Xiaoping dies“ von Rob Rogers aus der Pittsburgh Post Gazette (1997)

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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweis: Die folgenden Lösungen wurden in Stichpunkten verfasst. Zur vollständigen Umsetzung der Aufgabenstellung wäre grundsätzlich eine zusammenhängende Darstellung in Fließtextform erforderlich. Darüber hinaus sind individuell unterschiedliche, fachlich begründete Lösungsansätze möglich. Bei einzelnen Aufgaben ist zudem die Arbeit mit geeignetem Kartenmaterial aus dem Historischen Atlas erforderlich.
Lösung 1
Charakterisierung des weltpolitischen Engagements der USA zwischen 1945 und 1991 unter Berücksichtigung des Agierens der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt ausgehend vom Zitat Trumans, z. B.:
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Amerika als Architekt einer neuen Friedensordnung nach 1945 sowie Führungsmacht des westlichen Lagers im Rahmen der bipolaren Weltordnung des Kalten Kriegs mit großem Einfluss im Rahmen internationaler Bündnisse, z. B. UNO und NATO;
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offizieller Anspruch als globaler Garant von Sicherheit, Wohlstand und freiheitlich-demokratischen Grundwerten (vgl. Zitat) sowie Verfolgung einer langfristigen Eindämmungspolitik gegenüber kommunistischen Expansionsbestrebungen und Umsetzung mit verschiedensten, etwa wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Mitteln;
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globale militärische Präsenz und Beteiligung an Friedensmissionen sowie Kriegseinsätzen (teils mit UN-Mandat) zum Schutz von Verbündeten sowie des Selbstbestimmungsrechts der Völker (vgl. Zitat);
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besonders ab den 1970er Jahren zunehmende Bemühungen zur Entspannung, etwa Ansätze diplomatischer Verständigung mit der Sowjetunion und Abrüstungsverhandlungen;
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demgegenüber Problematik des Widerspruchs zwischen Anspruch und Wirklichkeit, etwa Interventionen aus Eigeninteressen, Menschenrechtsverletzungen, Unterstützung autokratischer Systeme, Eskalation lokaler Konflikte und riskante militärische Maßnahmen bis hin zur Inkaufnahme eines Atomkriegs.
Bei der Berücksichtigung des Agierens der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt kann z. B. auf folgende Aspekte eingegangen werden:
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wirtschaftliche, politische und militärische Unterstützung Israels im Rahmen des Systemgegensatzes des Kalten Krieges in Konkurrenz zum ideologischen Gegner;
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Ausrichtung der US-amerikanischen Außenpolitik u. a. an wirtschaftlichen und geopolitischen Eigeninteressen als ein Faktor der Dynamik des israelisch-palästinensischen Konflikts;
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seit den 1970er Jahren relativ kontinuierlicher Einsatz der USA zur Beilegung des Konflikts, etwa in Verhandlungen mit arabischen Nachbarstaaten, im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses oder der ‚Roadmap‘.
Lösung 2
Erläuterung von Deng Xiaopings Konzept eines „Sozialismus chinesischer Prägung“ ausgehend von M 1 und der Karte „Wirtschaftsentwicklung in China seit 1980“ im Historischen Atlas im Rahmen eines Beitrags zur Diskussion im Wahlkurs „Politik und Zeitgeschichte“, v. a.:
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Verbesserung des Lebensstandards großer Teile der Bevölkerung, Erhöhung der Produktionskraft sowie Erwerb von Reichtum als zentrale Ziele des „Sozialismus chinesischer Prägung“;
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Realisierung durch eine langfristige und stetige Politik, insbesondere marktwirtschaftliche Reformen und Westöffnung, dabei Primat der Praxis vor der Theorie, Offenheit für neue Ideen und Verjüngung kommunistischer Kader;
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Verneinung eines grundsätzlichen Gegensatzes von Kapitalismus und Sozialismus, da Ermöglichung einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung nur durch die Integration beider Systeme;
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schrittweise Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Investitionen und JointVenture-Betriebe bei gleichzeitiger Kontinuität staatlicher Dominanz im Wirtschaftssektor, zunächst in den vier Sonderwirtschaftszonen Shenzen, Zuhai, Shantou und Xiamen an der Südküste, in den 1980er und 1990er Jahren Ausweitung auf weitere Städte im Osten Chinas, etwa Ningbo oder Wuhan (vgl. Historischer Atlas);
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Ablehnung demokratischer Reformen und Betonung der Notwendigkeit eines zentralistischen diktatorischen Systems zur Konsolidierung der Macht der KPCh sowie Sicherung der Überlegenheit Chinas gegenüber seinen Feinden.
Bewertung der Bedeutung Deng Xiaopings für die Entwicklung des modernen China unter Einbezug der Karikatur M 2 im Rahmen des Beitrags zur Diskussion im Wahlkurs „Politik und Zeitgeschichte“, z. B.:
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einerseits mit der Machtübernahme Deng Xiaopings nach dem Tod Maos Beginn eines tiefgreifenden Strukturwandels durch seine Reform- und Öffnungspolitik in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung sowie Wissenschaft und Technik (sog. „Vier Modernisierungen“);
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starker Wirtschaftsaufschwung (chinesisches „Wirtschaftswunder“) und deutlicher Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens sowie Entwicklung Chinas zu einer führenden Industrienation und Handelsmacht (vgl. M 2);
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Intensivierung der internationalen Beziehungen, u. a. zu den USA, und Zunahme des Einflusses Chinas v. a. in Ostasien;
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andererseits Fortbestand von Problemen wie Korruption, Inflation und sozialer Ungleichheit;
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Ausbleiben einer umfassenden kritischen Aufarbeitung des Maoismus sowie Verweigerung weitgreifender gesellschaftlich-politischer Reformen durch Festhalten am sozialistischen Weg, an der Führung der KPCh, am Marxismus-Leninismus sowie an der „Diktatur des Proletariats“;
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Unterdrückung weitergehender Forderungen nach einem politischen Wandel bis hin zur gewaltsamen Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) in Peking, Ausweitung von Überwachung und Zensur, Verfolgung zahlreicher Oppositioneller (vgl. M 2) sowie Repressionen gegenüber nationalen Minderheiten (z. B. Tibeter).
Die Bedeutung Deng Xiaopings für die Entwicklung des modernen Chinas ist differenziert zu beurteilen. Zwar führte die von ihm initiierte Reformpolitik zu einem Anstieg des Wohlstands weiter Teile der Bevölkerung, sie ging jedoch nicht mit einer umfassenden Demokratisierung einher, sondern blieb auf die Sicherung der Herrschaft der Kommunistischen Partei ausgerichtet und war mit Unterdrückung sowie Menschenrechtsverletzungen verbunden.
Lösung 3
Vergleich der Reformpolitik Michail Gorbatschows in der Sowjetunion mit der Reformpolitik Deng Xiaopings in China und Beurteilung der weltpolitischen Bedeutung Gorbatschows:
Gemeinsamkeiten der Reformpolitik Gorbatschows und Dengs, z. B.:
-
zeitliche Situierung in den 1980er-Jahren;
-
zentrale Bedeutung eines einzelnen Politikers der jeweiligen Kommunistischen Partei als Initiator grundlegender Reformprozesse zur Überwindung einer Phase politischer Stagnation;
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Reaktion auf massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme und daraus resultierender Unzufriedenheit der Bevölkerung;
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Ziel der Schaffung besserer Lebensbedingungen u. a. durch die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen und wirtschaftliche Öffnung gegenüber dem Westen;
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Ziel einer „Verbesserung“ des Kommunismus, nicht dessen Abschaffung.
Unterschiede der Reformpolitik Gorbatschows und Dengs, z. B.:
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Ausgangslage: China als Entwicklungsland, Sowjetunion als zwar wirtschaftlich schwache, aber militärisch hochgerüstete zweite Weltmacht neben den USA in der Zeit des Kalten Kriegs;
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rasche wirtschaftliche Erfolge in China, anhaltende wirtschaftliche Probleme in der Sowjetunion;
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strikte Ablehnung einer Demokratisierung durch Deng, demgegenüber Überzeugung Gorbatschows von der Notwendigkeit einer Verbindung der wirtschaftlichen Reformen mit politischer Liberalisierung und Gewährung von Freiheitsrechten („Glasnost“ und „Perestroika“), auch im Bewusstsein der Auswirkung auf die Rolle der KPdSU;
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Sicherung der Alleinherrschaft der KPCh als zentrales Ziel Dengs, auch unter Einsatz von (massiver) Gewalt, demgegenüber Verzicht auf gewaltsame Niederschlagung der friedlichen Revolutionen im (ehemaligen) sowjetischen Machtbereich infolge der Reformpolitik durch Gorbatschow;
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Konzentration Dengs v. a. auf die innere Entwicklung Chinas, außenpolitische Dimension der Reformpolitik Gorbatschows, u. a. Entspannungspolitik, Aufhebung der „Breschnew-Doktrin“ und Achtung der Eigenständigkeit der Ostblock-Staaten;
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Reformen unter Deng als eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung Chinas zu einer Weltmacht, Zusammenhang zwischen Scheitern der Reformpolitik Gorbatschows und dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
In einem Zwischenfazit wird deutlich, dass trotz einiger Gemeinsamkeiten erhebliche Unterschiede zwischen der Reformpolitik Deng Xiaopings und Michail Gorbatschows bestehen, insbesondere im Hinblick auf die Haltung gegenüber einer Demokratisierung.
Beurteilung der weltpolitischen Bedeutung Gorbatschows, z. B.:
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zentrale Rolle Gorbatschows für den Umbruch im Ostblock in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren und für das friedliche Ende des Kalten Kriegs sowie des damit verbundenen (atomaren) Wettrüstens;
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fehlendes militärisches Einschreiten gegen die Freiheitsbewegungen in den sowjetischen Satellitenstaaten und gegen den Zerfall des kommunistischen Ostblocks als besonderes Verdienst Gorbatschows;
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Bedeutung Gorbatschows für die deutsche Wiedervereinigung und die Überwindung der Teilung Europas;
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Einsatz für Verständigung und Diplomatie als zentrale Mittel der Politik;
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Beitrag Gorbatschows zur (vorläufigen) Ausbreitung liberaler Wertvorstellungen u. a. im Osten Europas;
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Diskrepanz zwischen der hohen Wertschätzung Gorbatschows im Westen (u. a. 1990 Friedensnobelpreis) und der negativen Wahrnehmung in Russland als „Totengräber der Sowjetunion“ und Verantwortlicher für politische und wirtschaftliche Krisen.
Michail Gorbatschow wird aufgrund seiner Rolle bei der Überwindung des Kalten Krieges trotz ausbleibender nachhaltiger wirtschaftlicher und politischer Modernisierung als eine der zentralen weltpolitischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts eingeordnet.