Halbjahresaufgabe 13/1
1978 und 1985 wählte das US-amerikanische Time Magazine Deng Xiaoping zum „Man of the Year“. Dieser Titel wird von der Time-Redaktion seit 1927 jährlich an die Person verliehen, welche ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf das Weltgeschehen ausübt.
Nimm Stellung zu dieser Entscheidung, indem du die Rolle Deng Xiaopings für die Entwicklung des modernen Chinas darstellst und differenziert bewertest. Nutze für deine Ausführungen die Materialien M 1, M 2 und die Karte „Wirtschaftsentwicklung in China seit 1980“ im Historischen Atlas.
Material 1: Auszüge aus Reden des chinesischen Machthabers Deng Xiaoping (1992)
Am 29. März 1992 veröffentlichte das deutsche Politikmagazin „Der Spiegel“ Äußerungen des chinesischen Politikers Deng Xiaoping, der damals 87 Jahre alt war. Deng hatte kurz zuvor den Süden Chinas bereist. Die Reden, die Deng auf seiner Reise gehalten hatte, wurden in den chinesischen Medien nicht veröffentlicht. Nur ein „Zentrales Dokument Nr. 2/92“ informierte leitende Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas über die „Schwerpunkte“.
Quelle: DER SPIEGEL 14/1992 - https://www.spiegel.de/politik/reform-oder-untergang-a-6754f7b0-0002- 0001-0000-000013682701?context=issue (Stand: 3. August 2023).
Material 2: Karikatur „Deng Xiaping dies“ von Rob Rogers aus der Pittsburgh Post Gazette (1997)

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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweis: Die folgenden Lösungen wurden in Stichpunkten verfasst. Zur vollständigen Umsetzung der Aufgabenstellung wäre grundsätzlich eine zusammenhängende Darstellung in Fließtextform erforderlich. Darüber hinaus sind individuell unterschiedliche, fachlich begründete Lösungsansätze möglich. Bei einzelnen Aufgaben ist zudem die Arbeit mit geeignetem Kartenmaterial aus dem Historischen Atlas erforderlich.
Lösung
Stellungnahme zur Wahl Deng Xiaopings zum „Man of the Year“ in den Jahren 1978 und 1985:
Bei der Darstellung der Rolle Deng Xiaopings für die Entwicklung des modernen Chinas wird auf sein Konzept eines „Sozialismus chinesischer Prägung“ eingegangen. Dabei werden der Text M 1 sowie die Karte „Wirtschaftsentwicklung in China seit 1980“ aus dem Historischen Atlas berücksichtigt. Die Ausführungen können unter anderem folgende Aspekte enthalten:
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Verbesserung des Lebensstandards großer Teile der Bevölkerung, Erhöhung der Produktionskraft sowie Erwerb von Reichtum als zentrale Ziele des „Sozialismus chinesischer Prägung“ (vgl. M 1);
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Verneinung eines grundsätzlichen Gegensatzes von Kapitalismus und Sozialismus sowie schrittweise Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Investitionen in ausgewählten Sonderwirtschaftszonen (vgl. Historischer Atlas) bei gleichzeitiger Kontinuität staatlicher Dominanz im Wirtschaftssektor;
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Ablehnung demokratischer Reformen und Betonung der Notwendigkeit eines zentralistischen diktatorischen Systems zur Sicherung der Macht der KPCh sowie der Überlegenheit Chinas gegenüber seinen Feinden (vgl. M 1).
Die Bewertung der Rolle Dengs für die Entwicklung eines modernen Chinas kann unter Einbezug der Karikatur M 2 z. B. folgende Aspekte berücksichtigen:
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einerseits hohe Bedeutung Deng Xiaopings als Architekt der Reform- und Öffnungspolitik in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung sowie Wissenschaft und Technik (sog. „Vier Modernisierungen“), welche zu einem tiefgreifenden Strukturwandel führte;
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als Folge von Dengs Reformen starker Wirtschaftsaufschwung (chinesisches „Wirtschaftswunder“) und deutlicher Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens sowie Entwicklung Chinas zu einer führenden Industrienation und Handelsmacht (vgl. M 2);
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maßgebliche Rolle Dengs bei der Intensivierung der internationalen Beziehungen, u. a. zu den USA, und Zunahme des Einflusses Chinas v. a. in Ostasien;
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andererseits trotz Dengs Reformpolitik Fortbestand von Problemen wie Korruption, Inflation und sozialer Ungleichheit;
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Verweigerung weitgreifender gesellschaftlich-politischer Reformen durch Festhalten Dengs am sozialistischen Weg, an der Führung der KPCh, am Marxismus-Leninismus, den Mao-Zedong-Ideen sowie an der „Diktatur des Proletariats“;
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unter Dengs Führung Unterdrückung weitergehender Forderungen nach einem politischen Wandel bis hin zur gewaltsamen Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) in Peking; Ausweitung von Überwachung und Zensur, Verfolgung zahlreicher Oppositioneller (vgl. M 2) sowie Repressionen gegenüber nationalen Minderheiten (z. B. Tibeter).